>DIE LIEBESFLAMME! ST.JOHANNES VOM KREUZ

O Flamme von Liebe lebendig,

die du zärtlich verwundest

meine Seele in tiefster Mitte!

Da du nicht mehr quälend bist,

komm schon ans End’, wenn’s dir gefällt;

zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung!

Die Mitte der Seele ist Gott. 


Die lebendige Liebesflamme!


1. O Flamme von Liebe lebendig, 
die du zärtlich verwundest
meine Seele in tiefster Mitte!
Da du nicht mehr quälend bist,
komm schon ans End’, wenn’s dir gefällt;
zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung! 

2. O Brenneisen zärtlich!
O Wunde wonnetrunken!
O milde Hand, o zartkosende Berührung,
die schmeckt nach ewigem Leben
und alle Schuld begleicht!
Tötend hast Tod du in Leben getauscht.

3. O Leuchten von Feuer,
in deren Strahlen
die tiefen Höhlen des Sinnes,
der dunkel und blind war,
mit wundersamen Aufgipfelungen
Wärme und Licht zugleich ihrem Liebsten spenden!

4. Wie sanft und liebkosend
erwachst du in meinem Schoß,
wo du allein insgeheim wohnest!
Und in deinem köstlichen Hauch,
von Gutem und Herrlichkeit voll,
wie zartkosend machst du mich verliebt!



Aus: Die lebendige Flamme!
von St. Johannes vom Kreuz

Sämtliche Werke, Bd.4, Die lebendige Flamme; 
Die Briefe und die kleinen Schriften von Johannes vom Kreuz
Übers. I.Behn


"O regste Liebeslohe,

die zärtlich mich verwundet
bis in der Seele Kern und tiefstes Leben! 

Gesänftigte, du hohe –
tilg, dass mein Herz gesundet,
dem süßen Treffen tilg die Trennungsweben.


O Flamme, mild umleckend!
O Wunde, lind zu dulden!
O holde Hand! O liebliches Durchdringen, nach ewigem Leben schmeckend, vergütend alle Schulden!


Todbringend willst du höchstes Leben bringen.

O Leuchten voll von Brünsten,
dank deren Widerscheine
des Sinns abgründige Höhlen ohne Enden – nicht länger blind von Dünsten –
in fremder Himmelsreine
dem Liebsten beides, Licht und Wärme spenden!


Wie liebreich und verstohlen
erwachst du in Gehegen,
tief im Gemüt mir, wo du sieghaft gründest: 

mit würzigem Atemholen
voll sonnenholdem Segen
wie unberührbar zart du mich entzündest!"


Ist sie bis dahin gelangt, gemäß der ganzen Fassungskraft ihres Seins und ihres Strebens und Wirkens, dann ist sie hingelangt bis zu ihrem letzten und tiefsten Zentrum in Gott; und solches begibt sich, wenn sie mit all ihren Kräften Gott auffasst, 
liebt und genießt. 
Hat sie solches noch nicht erreichen können – wie es in diesem Le- ben der Fall ist, in dieser Beschränkung, darin sie wohl in Gott als ihrer Mitte dank seiner Huld und Hingabe verweilen, aber nicht bis zur letzten Tiefe gelangen kann – dann bleibt ihr noch immer Spannkraft und Neigung zu weiterer Bewegung und sie ist selbst in solcher Mitte nicht vollends befriedet, ehe sie nicht bis zur letzten Tiefe, zum Abgrund Gottes gelangt ist.
[...]
Die Liebe ist die Neigung der Seele, ist das Gewicht und die Kraft, die sie zu Gott hinziehen. Mithilfe der Liebe einigt sich die Seele mit Gott. Und je mehr Grade der Liebe sie besitzt, um so tiefer dringt sie in Gott ein, um so konzentrischer umringt sie sein Zentrum. So können wir sagen: 
so viele Grade der Gottesliebe von der Seele umspannt werden 
können, soviel lebendige Mitten vermag sie in Gott zu haben, 
eine tiefer im Innern als die andere. 
Dabei ist die stärkste Liebe auch die einigendste. 
Und von hier aus lassen sich die vielen Wohnungen verstehen, die nach den Worten des Gottessohnes im Hause seines Vaters sind (Joh 14,2).
[...]
Bezeugt die Seele demnach hier, dass die Liebesflamme sie bis zum tiefsten Lebenskern verwundet, so sagt sie damit, dass es der Heilige Geist selber ist, der sie in ihrer Substanz, in ihren Fähigkeiten und Kräften überwältigt und verwundet! 

Sie will damit nicht sagen, dass solche Gotteinigung so wesentlich und vollständig sei wie in anderen Leben, im beseligenden Erschauen Gottes. Mag die Seele auch in diesem sterblichen Leben so hohe Vollkommenheit erreichen, wie sie hier aussagt, dennoch kann sie nicht bis zu dem vollkommenen Zustand ewiger Herrlichkeit gelangen. Nur vorübergehend könnte sich wohl das Heilvolle begeben, dass Gott ihr eine Gnade solcher Art gewährte. 

Hier aber will die Seele mit ihren Worten die Überfülle seliger Wonne kennzeichnen, die sie bei solchem Sich mitteilen des Heiligen Geistes erfährt. [...] 
Freilich mag ihr der Habitus der Liebe wohl schon in diesem Leben so vollkommen eingewurzelt sein wie im jenseitigen, doch nicht so vollkommen ist ihr Akt und ihre Frucht. Und dennoch wachsen Wirkkraft und Frucht der Liebe in dieser Vereinigung bis zu einem Grade, der sich der ewigen Verklärung schon sehr annähert. 
Und weil die Seele es so erlebt, wagt sie zu sagen, was eigentlich nur vom anderen Leben gesagt werden kann: 
"bis in der Seele Kern und tiefstes Leben".
[...]
Etwas von dem Heilsgut der Seele strömt zuweilen auf den Leib über, als Salbung des Heiligen Geistes. 
Dann genießt das ganze sinnenhafte Wesen und alle Glieder und Knochen bis ins Mark, und nicht mit der gewöhnlichen Schlaffheit; dies ist eine starke Empfindung verklärender Wonne, 
spürbar bis in die letzten Gelenke von Händen und Füßen. 
Und so tief fühlt der Leib die Herrlichkeit der Seele mit, dass er auf seine Weise Gott erhebt. 
Er empfindet in seinen Knochen, was David sagt: "All mein Gebein wird künden: Gott, wer wäre dir gleich?" (Ps 34,10) 
Und weil alle Aussage unzulänglich ist, so genügt es, vom Leibhaften wie vom Geisthaften zu versichern, sie kosteten vom ewigen Leben.
[...]
Da der Tod nichts anderes ist als Beraubung des Lebens, bleibt kein Schatten des Todes, wenn das Leben kommt. 
Im Geistigen gibt es zwei Arten von Leben

  • das eine ist das selige Leben, das in der Schauung Gottes besteht; und dieses kann nur durch körperlichen, natürlichen Tod gewonnen werden. So sagt es der Apostel Paulus: "Wir wissen, wenn dieses unser tönernes Haus zerbricht, dann werden wir Wohnstatt bei Gott im Himmel haben" (2 Kor. 5, 1). 


  • Das andere ist vollkommenes vergeistigtes Leben, Aneignung Gottes durch Liebeseinigung. Und dieses wird gewonnen durch das gänzliche Ersterben der Laster und Triebe und der Natur selber. Und solange dies sich nicht vollzieht, kann die Vollkommenheit des vergeistigten Lebens, die Gotteinigung, nicht Wirklichkeit werden. Auch dies bekundet der Apostel: "Wenn ihr dem Fleische nachleben wollt, werdet ihr sterben, doch wollt ihr mit euerm Geiste die Regungen des Fleisches töten, werdet ihr leben."(Röm8,13).

Was die Seele hier Tod nennt, das meint den alten Menschen, die Verwendung der Seelenvermögen, Gedächtnis, Erkenntnis, Wille für Weltliches, das Haften von Trieben und Neigungen am Geschöpflichen. 
All dies ist Betätigung des alten Lebens, das da Tod ist des neuen, geisthaften. 
In diesem kann die Seele nicht gänzlich leben, 
wenn nicht zuvor der alte Mensch gänzlich stirbt.
[...]
Es gibt bei dem Gesichtssinn zwei Ursachen für den Ausfall des Sehvermögens: Dunkelheit der Umgebung oder Blindheit. 
Gott ist das Licht und der Gegenstand der Seele. 
Wenn ihr dies Licht nicht leuchtet, dann ist sie im Dunkeln, mag ihre Sehkraft auch ausgezeichnet sein. 

  • Verharrt sie in Sünde, oder sind ihre Triebe von Gott abgewandt, dann ist sie blind! 

Und in solcher Blindheit sieht sie nicht ihre eigene Finsternis, nicht ihre Unwissenheit, auch wenn Gottes Licht auf sie eindringt. Bevor Gott sie in ihrer Umwandlung erneuerte, war sie verdunkelt und unwissend gegenüber den göttlichen Heilsgütern.
[...]
In geisthaftem Sinne besteht ein Unterschied zwischen im Dunkeln sein und in Finsternis sein. 

Demnach heißt in Finsternis sein: verblendet, in Sünde sein. 
Im Dunkeln kann man jedoch ohne Sünde sein

  • und das auf zwei Weisendurch fehlendes Licht für natürliche Gegenstände sowie für einige übernatürliche Dinge. Und gegenüber dem Natürlichen wie dem Übernatürlichen, so bekennt die Seele, war ihr Sinn noch im Dunkeln vor jener unschätzbaren Salbung. Bevor der Herr sagte: "Es werde Licht!" lagerten Finsternisse über den abgründigen Tiefen des Seelensinnes. Und je abgründiger dieser ist, um so abgründiger sind seine Buchtungen, um so tiefer und dichter sind die Finsternisse vor dem Übernatürlichen, wenn Gott, das Licht dieses Sinnes, ihn nicht erleuchtet. Und es ist ihm unmöglich, die Augen zum göttlichen Licht zu erheben und die Gedanken darauf zu richten, da es ungesehen und darum ihm unbekannt blieb. 

Deshalb kann er dies Licht auch nicht erstreben, vielmehr erstrebt er die Finsternisse, da er sie kennt. So gleitet er von Finsternis zu Finsternis, von jener Finsternis geführt. 







Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Körpersprache: der Papst ordnet sich den Illuminaten unter! "Satan muss im Vatikan regieren. Der Papst wird sein Sklave sein"!

Präsident Putin warnt vor einem Atomkrieg! Nicht nur München und Berlin in Gefahr!

Wieso sieht die Audienzhalle in Rom wie eine Schlange aus?