>WOHLFÜHL-CHRIST & DAS KREUZ!ST.JOHANNES VOM KREUZ


SANKT JOHANNES VOM KREUZ!
TRILOGIE EINES KIRCHENLEHRERS 

Aus dem Buch des hl. Johannes vom Kreuz: 

AUFSTIEG AUF DEN BERG KARMEL ! 

Viele folgen Christus wegen der "schönen Gefühle", 
um "sich wohl zu fühlen", um "Trost" zu erfahren und "Wunder zu erleben", 
nur wenige folgen Christus um zu "leiden", "zu hungern und zu dürsten" 
und mit ihm am Kreuz die Bergspitze zu erreichen, von der aus ein ehrliches: 
"Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" kommt.
Mehr dazu siehe hier Kapitel 7 - Buch II aus: 
Aufstieg auf den Berg Karmel!
Sr.Benedicta

II. Buch- Kapitel 7
1. Um von der Nacktheit und Lauterkeit der drei Seelenvermögen handeln zu können, bedürfte es einen anderen, größeren Wissens und Geistes als den meinen, mit dem ich den spirituellen Menschen gut zu verstehen geben könnte, wie schmal der Weg ist, der, wie unser Retter sagt, zum Leben führt, damit sie sich, wenn sie davon einmal überzeugt sind, nicht über die Leere und Nacktheit wundern, in denen wir die Seelenvermögen in dieser Nacht zurücklassen müssen.

2. Deshalb müssen die Worte, die unser Retter durch Matthäus im siebten Kapitel über diesen Weg sagte, aufmerksam beachtet werden, wenn er sagt: Quam angusta porta, et arcta via est, quae ducit ad vitam, et pauci sunt qui inveniunt eam;, das heißt: Wie eng ist doch das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind nur wenige, die ihn finden! (Mt 7,14).
Bei dieser Schriftstelle müssen wir sehr auf die Übersteigerung und den Nachdruck achten, die jener Partikel "quam" in sich enthält.
Es ist nämlich als sagte er:
Es ist wirklich sehr eng, enger als ihr denkt!
Und es ist auch zu beachten, dass er zuerst sagt, dass das Tor eng ist, um verständlich zu machen, dass der Mensch zuerst sein Empfindungsvermögen in den sinnenhaften und innerweltlichen Dingen einschränken und von ihnen freimachen muss, indem er Gott über diesen allen liebt, um durch dieses Tor Christi einzutreten, der der Anfang des Weges ist.
Das gehört zur Nacht des Sinnenbereichs, von der wir gesprochen haben.


3. Und alsbald sagt er, dass der Weg schmal ist, 
nämlich der der Vollkommenheit. Damit gibt er zu verstehen, dass der Mensch dadurch, dass er sich vom Sinnenhaften leer macht, nicht nur durch das enge Tor eintreten muss, um auf dem Weg der Vollkommenheit zu gehen, sondern dadurch, dass er sich dessen, was in den Bereich des Geistes gehört, so recht eigentlich entledigt und entlastet, auch schmal machen muss. So können wir das, was er über das enge Tor sagt, auf den sinnenhaften Bereich des Menschen beziehen, und das, was er über den schmalen Weg sagt, können wir von dem des Geistes oder der Vernunft verstehen, und bei dem, was er sagt, dass es wenige sind, die ihn finden, muss man die Ursache beachten, und dies ist, dass es wenige gibt, die in diese äußerste Nacktheit und Leere des Geistes eintreten können und wollen.
Denn da dieser Pfad zum hohen Berg der Vollkommenheit nun einmal aufwärts geht und schmal ist, erfordert er solche Wanderer, die kein Gepäck mitschleppen, das ihnen bezüglich des unteren Teils zur Last oder bezüglich des oberen zum Hindernis wird, denn da es hier darum geht, nur Gott zu suchen und zu gewinnen, ist der, der zu suchen und zu gewinnen ist, auch nur Gott.


4. Von daher sieht man deutlich, dass der Mensch nicht nur unbelastet von all dem sein muss, was es von Seiten der Geschöpfe gibt, sondern auch im Bezug auf all das, was es von seiten seines Geistes gibt, entäußert und zunichte geworden weitermachen muss. Deshalb sagte unser Herr, als er uns in diesen Weg einwies und einführte, durch den heiligen Markus im achten Kapitel jene wunderbare Lehre, die - ich weiß nicht, ob ich es sagen darf - von den spirituellen Menschen um so weniger praktiziert wird, je mehr sie ihn bedürfen, und ide ich aber vollständig zitiere und in ihrem eigentlichen, geistlichen Sinn erklären möchte, weil sie so notwendig uns unserem Zweck so dienlich ist. Er sagt: Wenn einer auf meinem Weg folgen will, möge er sich zurücknehmen, sein Kreuz aufnehmen und mir nachfolgen. Denn wer seine Seele retten möchte, wird sie verlieren; wer sie aber für mich verliert, wird sie gewinnen (Mk 8,34).


5. Wer könnte hier nun zu verstehen und zu erlernen und zu verkosten geben, was es mit diesem Rat auf sich hat, den unser Retter uns hier gibt, uns selbst zurücknehmen, damit  die spirituellen Menschen sähen, wie anders als das, was viele von ihnen meinen, das Verhalten ist, das sie auf diesem Weg praktizieren müssen! Sie deuten das so, als würde jegliche Art von Zurückgezogenheit und Neugestaltung der Dinge genügen; andere sind schon damit zufrieden, wenn sie sich irgendwie in den Tugenden üben, im Beten ausharren und in das Sterbenlassen einüben, aber zur Nacktheit und Armut oder zur Entäußerung oder gesitlichen Lauterkeit, was alles das gleiche ist, und zu der uns der Herr hier rät, gelangen sie nicht. Sie wollen nämlich ihre Natur immer noch lieber mit Tröstungen und geistigen Gefühlsregungen mästen und ausstaffieren als sie Gottes wegen freizumachen und in diesem und jenem zurückzunehmen, ohne sie im geistigen Besitzdenken zunichte zu machen und zu läutern. Von daher kommt es für sie, dass sie vor diesem Gediegenen und Vollkommenen wie vor dem Tod davon laufen, sobald es sich ihnen anbietet, nämlich das Zunichtewerden aller Zärtlichkeit bei Gott in Trockenheit, Ungeschmack und Mühsal, was das rein geistige Kreuz und der arme geist Christi in seiner Nacktheit ist, und in Gott nur süße Empfindungen und köstliche Mitteilungen suchen wollen. Das aber ist nicht Zurücknahme seiner selbst und Nacktheit des Geistes, sondern geistige Naschsucht. Darin machen sie sich geistlich gesehen, zu Feinden des Kreuzes Christi (Phil 3,18), denn der wahre Geist sucht in Gott lieber das Unangenehme als das Köstliche und neigt eher zum Leiden als zur Tröstung, zum Entbehren alles Guten für Gott als zu dessen Besitz und zu Phasen der Trockenheit und Betrübnis als zu süßen Mitteilungen, wissend, dass das Christusnachfolge und Selbstzurücknahme, während das andere womöglich nur Selbstsuche in Gott ist, was sehr im Gegensatz zur Liebe steht.

  • Denn sich in Gott zu suchen, heißt, Gottes Geschenke und Erquickungen zu suchen, aber Gott in sich zu suchen, heißt nicht nur, Gottes wegen dieses und jenes gern zu entbehren, sondern sogar geneigt zu sein, für Christus all das zu wählen, was am unangenehmsten ist, stamme das nun von Gott oder von der Welt. Das ist Liebe zu Gott. 



6. O, wer könnte verständlich machen, wie weit nach dem Willen unseres Herrn diese Zurücknahme seiner selbst geht! 
In der Wertschätzung des Willens, in dem sich die ganze Zurücknahme seiner selbst befindet, hat sie ganz gewiß wie ein Tod uns in allem wie eine Zunichtewerdung in innerweltlicher, natürlicher und geistiger Hinsicht zu sein.

Das ist es was unser Retter hier sagen wollte, wenn er sagte: Wer seine Seele retten will, wird sie verlieren (Mt 16,25 - Mk 8,35 - Lk 9,24 - Joh 12,25). Das heißt: Wer etwas besitzen oder für sich suchen will, der wird sie verlieren. Und wer seine Seele um meinetwillen verliert, der wird sie gewinnen (Mt 10,39).
Das heißt: Wer um Christi willen auf alles verzichtet, was er zu erstreben und zu verschmecken vermag und sich dabei das aussucht, was dem Kreuz mehr gleicht, denn das bezeichnet der Herr selbst durch den heiligen Johannes als gering achten der Seele (Joh 12,25), der wird sie gewinnen.
Dies lehrte seine Majestät jenen beiden Jüngern, die ihn um die Plätze zu seiner Rechten und Linken baten, als er ihnen, ohne auf die Bitte um solche Herrlichkeit einzugehen, den Kelch anbot, den er selbst zu trinken hatte, als etwas auf dieser Erde Wertvolleres und Sichereres, als es das Genießen ist! (Mt 20,20)


7. Dieser Kelch ist, seiner Natur nach, dadurch zu sterben, dass man sie frei und zunichte macht, damit sie auf diesem schmalen Pfad wandern kann in allem, was ihr in Bezug auf den Sinnenbereich, wie wir schon gesagt haben, und in Bezug auf die Seele, wir wir jetzt sagen werden, angehören kann, und das liegt in ihrem Verstehen, Genießen und Fühlen.
Das vollzieht sich so, dass sie nicht nur von dem einen und dem anderen entäußert, sondern auch von diesem zweiten, dem Geistigen, nicht belastet bleiben möge für den schmalen Weg, finden doch auf ihm nur die Zurücknahme seiner selbst, wie unser Retter zu verstehen gibt, und das Kreuz Platz, das der Wanderstab für den Aufstieg ist, damit wird dieser einem sehr leicht und einfach gemacht. Deshalb hat unser Herr durch Matthäus gesagt: Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht (Mt 11,30),
und die ist das Kreuz.

Denn wenn sich der Mensch entschließt sich dem Tragen des Kreuzes zu unterwerfen, und das heißt, sich wirklich zu entschließen, Gottes wegen in allen Dingen gern Mühsal anzutreffen und auf sich zu nehmen, dann wird er in ihnen allen Leichtigkeit und Zärtlichkeit antreffen, um diesen Weg so zu gehen, frei gemacht von allem und ohne etwas zu wollen. Wenn er allerdings mit einem gewissen Besitzdenken beansprucht, einmal von Gott, dann von einer anderen Seite her etwas zu haben, dann hat er sich nicht von allem frei gemacht, noch zurückgenommen; und so wird es ihm nicht gelingen, noch wird er es vermögen, auf diesem schmalen Pfad zum Gipfel auszusteigen.


8. So möchte ich die spirituellen Menschen davon überzeugen, dass dieser Weg zu Gott nicht in einer Vielfalt von Betrachtungen, Methoden, Praktiken, oder Wohlgefühlen besteht - mag dies alles auf seine Weise für Anfänger notwendig sein -, sondern nur aus einem Notwendigen, und das ist, sich in seinem innerlichen und äußerlichen Verhalten wirklich zurücknehmen zu können und um Christi willen um Hingabe im Leiden und Zunichtewerdung in allem bemüht sein, denn wenn man sich darin einübt, dann verwirklicht und findet man in ihm dies alles und noch mehr als das. Aber wenn es an diesem Einüben, das die Zusammenfassung und Grundlage aller Tugenden ist, fehlt, dann sind alle jene Übungsweisen nur Herumlaufen auf Umwegen, ohne dabei voranzukommen, selbst wenn man solch tiefe Betrachtungen und Mitteilungen hätte wie die Engel.
Fortschritt jedoch gibt es nur in der Nachfolge Christi, denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und niemand kommt zum Vater außer durch ihn, wie er selbst durch den Heiligen Johannes gesagt hat (Joh 14,6).
Und an anderer Stelle sagt er: Ich bin die Tür; wenn einer durch mich eintritt, wird er gerettet (Joh 10,9).
Folglich würde ich jeden Geist, der über süße Empfindungen und Bequemlichkeit gehen möchte und der Nachfolge Christi aus dem Wege geht, nicht für gut halten.


9. Und da ich gesagt habe, dass Christus der Weg ist, und dieser Weg darin besteht, unserer Natur im Sinnenhaften und Geistigen zu sterben, möchte ich nun verständlich machen, wie das nach dem Beispiel Christi geschieht, denn er ist unser Beispiel und Licht.


10. Bezüglich des ersteren ist sicher, dass er dem Sinnenhaften gestorben ist, auf geistige Weise in seinem Leben, und auf natürliche Weise in seinem Tod. Denn wir er selbst sagte, hatte er im Leben nichts, worauf er sein Haupt gelegt hätte (Mt 8,20), und im Tod hatte er es noch weniger.


11. Bezüglich des zweiten ist sicher, dass er im Augenblick es Todes auch in seiner Seele zunichte geworden war, ohne jegliche Tröstung oder Erleichterung, vom Vater im unteren Bereich (im Gefühlsbereich) zuinnerst der Trockenheit überlassen. Dadurch wurde er zum Aufschrei: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46) genötigt.
Das war die größte Verlassenheit, die er in seinem Leben gefühlsmäßig durchgemacht hatte.
So vollbrachte er in ihr das größte Werk, dass er in seinem ganzen Leben auf Erden oder im Himmle bei all den Wundern und Werken vollbracht hatte, und das war, das Menschengeschlecht auf gnadenhafte Weise mit Gott zu versöhnen und zu vereinen.

Und das geschah, wie ich sage, genau zu dem Zeitpunkt, als dieser Herr in allem gänzlich zunichten geworden war, und zwar bezüglich seines Ansehens bei den Menschen, denn als sie ihn sterben sahen, verspotteten sie ihn nicht mehr als dass sie ihn irgendwie geachtet hätten, und bezüglich seiner Natur, denn sie ist in seinem Sterben zunichte geworden und bezüglich des geistlichen Beistandes und Trostes vom Vater, denn in diesem Moment ließ er ihn im Stich, damit er die Schuld ohne Abstriche begliche und den Menschen mit Gott vereinte, und dabei so wie im nichts zunichte geworden und aufgelöst bliebe. Von daher sagt David über ihn: Ad nihilum redactus sum, et nescivi (Ps 73,22).

Deshalb soll der gute spirituelle Mensch, das Geheimnis vom Tor und vom Weg Christi verstehen, um sich mit Gott zu einen, und er soll wissen, dass er sich Gott umso mehr eint und er ein umso größeres Werk tut, je mehr er bezüglich dieser beiden Bereiche, dem sinnenhaften und dem geistigen, um Gottes willen zunichte wird. 
Und wenn er dazu kommt in nichts aufgelöst zu sein, was die höchste Demut wäre, dann wir die geistige Einung zwischen Mensch und Gott bleibend vollzogen; und das ist die wichtigste und höchste Verfassung, zu der man in diesem Leben gelangen kann.


  • Sie besteht also nicht in Erquickungen, Wohlgefühlen und geistigen Gefühlsregungen, sondern in einem lebendigen Tod am sinnhaft-fühlbaren und geistigen Kreuz, das heißt innerlich und äußerlich. 


12. Ich möchte mich darüber nicht weiter verbreiten, obwohl ich am liebsten nicht aufhörte, darüber zu sprechen, da ich sehe, dass Christus von denen, die sich für seine Freunde halten, sehr wenig gekannt wird. Wir sehen doch, wie sie ihm nachlaufen auf der Suche nach ihren Wohlgefühlen und Tröstungen aus großer Liebe zu sich, nicht aber nach seinen Bitterkeiten und Todesnöten aus großer Liebe zu IHM.
...
Original Bild, vom Heiligen Johannes vom Kreuz selber gezeichnet


"Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!"
















Aus dem Buch:

> DIE DUNKLE NACHT DER SEELE! VOM HEILIGEN JOHANNES VOM KREUZ

KIRCHENVATER- PATRON DER THEOLOGEN UND POETEN !



JOHANNES VOM KREUZ (1542–1591) 
Die dunkle Nacht der Seele 
(1579) 
In dunkler Nacht 
In Nacht an Sternen bloß,
von Liebesdrang glühend zum Ziel gerichtet – 

o wunderseliges Los! –
entging ich ungesichtet,
mein Haus in Stille lassend, tiefbeschwichtet. 

Tief in des Dunkels Schoß,
verborgene Stufen längs, vermummt, umdichtet – 

o wunderseliges Los! –
nachts, jedem Blick vernichtet,
mein Haus in Stille lassend, tiefbeschwichtet! 

Geheim, in Zauberringen
der Dunkelheit, wo mich kein Blick erkannte, 

wo ich nichts sah von Dingen
und nichts mir Strahlen sandte
als jenes Leitlicht, das im Herzen brannte! 


Das lenkte mich, das brachte
mich besser als der Tag, der grell durchblaute, 

zum Ziel, wo meiner harrte
er, der zutiefst Vertraute –
zum Ziel, wo ich nichts Scheinbares erschaute. 

O Nacht, du holdgesinnte,
o Nacht, die holder als das Frührot wachte: o Nacht, die mich Geminnte
zu dem Geminnten brachte,
die mich Geminnte zum Geminnten machte!





[Auszüge aus der Auslegung des Gedichtes]
Es kündet die Seele in dieser ersten Kanzone 
Weg und Weise, 
wie sie sich und allen Dingen mit der Kraft der Liebe entwich: 
sie erstarb in wahrer Abtötung ihnen allen und sich selber, um am Ende ein holdes und 
köstliches Leben der Liebe mit Gott zu leben. 
Und sie nennt dieses Entweichen aus sich selber und aus allen Dingen eine dunkle Nacht, 
womit sie die läuternde Gottesanschauung bezeichnet, 
die später geklärt werden soll. Solche Nacht wird von der Seele passiv erfahren, 
als die wirkende Kraft jener Verleugnung seiner selbst und aller Dinge. 
Und dieses Entweichen, so bekundet sie hier, gelang ihr dank der gewaltigen Glut, die ihr von der Liebe zu ihrem Bräutigam verliehen wurde, in jener dunklen Gotteserfahrung. 


Und so preist die Seele ihr glückseliges Los, dass sie durch solche Nacht Gott entgegengeführt wurde, mit so günstigem Ausgang; denn keiner der drei Feinde, die den Weg versperren, weder Welt, noch Dämon, noch Sinnlichkeit, konnten sie aufhalten. 

Hatte doch diese Nacht läutern- der Gotteserfahrung alle Leidenschaften und Triebe im Hause ihrer Sinnlichkeit gedämpft und eingeschläfert, kraft der entgegengesetzten Antriebe und Regungen. 

So setzt sie ein: In Nacht an Sternen bloß, 
[...] 
Wenn eine Seele es mit voller Entschlossenheit auf sich genommen hat, Gott zu dienen, dann pflegt der Herr sie im Geiste aufzuziehen und zu liebkosen. 

Hierin gleicht er einer liebevollen Mutter: sie wärmt den zarten Säugling an ihren Brüsten, sie stillt ihn mit köstlicher Milch und sättigt ihn mit milder Speise und trägt und kost ihn in ihren Armen; doch in dem Maße, wie er wächst, vermindert die Mutter ihre Zärtlichkeiten, sie verbirgt ihre innige Liebe, feuchtet ihre sanfte Brust mit dem bitteren Saft der Aloe, sie lässt ihn von ihren Armen hinabgleiten und auf eigenen Füßen sich bewegen, damit er die Eigenheiten des Kindes verliert und sich mit Größerem und wichtigerem beschäftigt. 

Nicht anders handelt die Gnade Gottes, die liebreiche Mutter, sobald die Seele von ihr wiedergeboren wurde in neuer Glut und neuer Hingabe an Gott: 
dank solcher Gnade schwelgt sie ohne eigene Mühsal in geistlicher Milch bei allem, 
was Gott angeht, und findet sie großes Wohlgefallen an den geistlichen Übungen. Ihr,die einem zarten Kinde gleicht, bietet er die Brust seiner zarten Liebe.
[...]
Diese Nacht, die mit der Kontemplation zusammenfällt, verursacht zwei Arten von Finsternissen oder Läuterungen in den Vergeistigten, entsprechend den beiden Teilen des Menschen, dem sinnlichen und dem geistigen. Und es wird die eine Nacht oder Läuterung dem Sinnenhaften gel- ten; darin wird die Seele in ihrem sinnengebundenen Teil geläutert und so dem Geist angepasst. Und die andere ist eine Nacht der geistigen Läuterung, 
darinnen die Seele nach ihrer geistigen Seite geläutert und entblößt wird, 
um sie für die Liebeseinigung mit Gott zu befähigen und vorzubereiten.



Die Nacht der Sinne ist nicht ungewöhnlich und wird von vielen durchlitten, von den anfangenden; und von ihr wollen wir zuerst sprechen. 

Die geistige Nacht wird nur von ganz wenigen durchlitten, 
und diese sind schon Erfahrene und Gottempfängliche; 
davon werde ich in der Folge sprechen. 
Die erst Nacht der Läuterung ist für die Sinnlichkeit bitter und furchtbar, wie sich gleich erweisen wird. Die zweite ist mit nichts zu vergleichen, so grauenvoll und entsetzlich ist sie für den Geist. 
[...] 
Diese dunkle Nacht ist eine gnadenvolle Einwirkung Gottes auf die Seele, wodurch sie von ihrer Unwissenheit wie von ihren gewohnheitsmäßigen Unvollkommenheiten, von den natürlichen wie den geistlichen, geläutert werden soll: 
ein Vorgang, den die Kontemplativen eingegebene Gotterfahrung oder mystische Theologie nennen. In dieser mystischen Erfahrung lehrt Gott die Seele im geheimen und lenkt sie zur Vollkommenheit der Liebe, ohne ihr Zutun, ohne ihre Einsicht in solche eingegebene Kontemplation. 
Als liebevolle Weisheit wirkt Gott mit übergewaltiger Hoheit auf die Seele ein und schmeidigt sie durch Läuterung und Erleuchtung für die Liebeseinigung mit seiner Gottheit.[...] 



Warum aber wird das göttliche Licht, das läuternd und erhellend in der Seele die Unwissenheiten tilgt, hier von dieser Seele `dunkle Nacht´ genannt? 

Ich antworte: aus zwei Gründen ist diese göttliche Weisheit nicht nur Nacht und Finsternis für die Seele, sondern auch Peinigung und Marter!
  • Nacht ist sie wegen ihrer Erhabenheit, die weit über die Fassungskraft der Seele hinausgeht; als überwahrnehmbar ist sie dunkel. 
  • Zum andern ist sie Nacht wegen der Niedrigkeit und Unreinheit der Seele, und darum für sie peinvoll, schmerzhaft und gleichfalls dunkel.
Zum Nachweis des ersten sei folgende Lehre des Philosophen herangezogen: 

je klarer und offenbarer das Göttliche ist, 
um so dunkler und verborgener ist es natürlicherweise für die Seele. 
So ist es mit dem Licht: 
je heller es scheint, um so mehr blendet und verdunkelt es die Pupille des Nachtvogels. 
Und je freier die Sonne angeschaut wird, um so mehr verdunkelt und vernichtet sie die Sehkraft, dieser schwachen allzu überlegen. 

Wenn daher dies göttliche Licht in eine nicht völlig durchklärte Seele einfällt, 

wird es ihr zu geistlicher Finsternis; denn es überwältigt nicht nur ihr Fassungsvermögen – es verdunkelt und raubt ihr die natürliche Betätigung der Erkenntniskraft. 
Darum nennen Sankt Dionysius und andere mystische Theologen diese eingegossene Beschauung einen dunkeln Strahl!
Dunkel für die nicht erleuchtete, nicht geläuterte Seele, 
die von der Übergewalt des göttlichen Lichtes ihre natürliche Geisteskraft besiegt und gefesselt findet. 
Nicht anders sagte David, dass Gott umgeben sei von Dunkelheit und Gewölk (Ps. 96, 2); nicht weil es in Wirklichkeit so wäre, sondern weil unser Auffassungsvermögen vor so ungeheurem Licht geblendet versagt. Das erklärt denn auch David in der Folge: 

"Kraft des gewaltigen Glanzes seiner Gegenwart erhob sich sperrendes Gewölk" (Ps. 17,13) – 
Gewölk zwischen Gott und unserem Begreifen. [. . . ]
Und dass solche dunkle Beschauung anfänglich für die Seele peinvoll wirkt, ist klar: diese eingegebene Gotterfahrung ist in ihrer Vorzüglichkeit aufs äußerste gut; 
und die gotterfahrende Seele hat in ihrer Ungeläutertheit vieles aufs äußerste Schlechte; 
da nun zwei Gegensätze in der einen Seele sich nicht vertragen, so leidet sie Qualen. 
  • Sie ist das Schlachtgebiet für diese beiden Widersacher, für diese Gotteinwirkung und die Unvollkommenheiten, die durch jene getilgt werden sollen. [...]
Die dritte Art von Passion und Pein, die hier über die Seele kommt, entspringt aus zwei anderen Gegensätzen, dem Göttlichen und dem Menschlichen, die nun zusammentreffen. 
Das Göttliche ist diese läuternde Kontemplation, 

und das Menschliche ist das Subjekt der Seele. 

Wenn nun das Göttliche sie überfällt, um sie auszureifen, zu erneuern und dadurch göttlich zu machen – wenn es sie nun von allen eingewurzelten Neigungen, 

von allen klebenden und eingefleischten Eigenheiten des alten Menschen vollkommen entblößen will, dann zerstückelt und vernichtigt es derart ihre geistige Substanz in einer sie umschlingenden, dichten und tiefen Finsternis, dadd sich diese Seele angesichts ihrer Erbärmlichkeiten in einem grausamen Geistestod hinschmelzen und hinschwinden fühlt.

Nicht anders, als fühlte sie sich eingeschluckt in den düsteren Bauch eines Ungetüms und von ihm zersetzt – in den gleichen Erstickungsnöten wie Jonas im Bauche jenes Meerungeheuers.


(Jon. 2,1). Denn in solcher Gruft, in solch finsterem Tode muss sie ihrer geistlichen Auferstehung entgegenharren!


Die Weise dieser unsäglichen Passion und Pein kennzeichnet David: "Rings um mich war Geröchel des Todes, die Qualen der Hölle umlagerten mich, ich schrie auf in meiner Drangsal!" 

(Ps. 17,5-7). 
Doch was die leidvolle Seele jetzt am tiefsten peinigt, 

ist die unabweisliche Überzeugung, von Gott ausgemerzt zu sein, voll Abscheu von ihm in die Finsternisse verworfen; und das ist ihr eine lastende und verwundende Pein, zu wähnen, Gott habe sie verbannt.[. . . ] 
Die vierte Art der Pein wird in der Seele durch eine andere Vollkommenheit der dunkeln Gotterfahrung erregt, 
durch ihre erhabene Majestät; im Gegensatz zu der erfahrenen Hoheit empfindet die Seele ihre ganze Armseligkeit – eine der schwersten Bedrückungen in diesem Purgatorium (Fegefeuer).
Denn sie fühlt in ihrem Innern eine armselige Entblößung von dreierlei Gütern, die das Wohlergehen der Seele bedingen, zeitliche, natürliche und geistige; sie aber findet in ihrem Zustand das Gegenteil dieser Güter: die Armseligkeit der Unvollkommenheiten, das Bewußtsein verödeter Vermögen und die Hilflosigkeit des umdunkelten Geistes. 



Hier reinigt Gott die Seele nach ihrer sinnlichen und geistigen Substanz wie nach ihren inneren und äußeren Vermögen; und so muss die Seele Verödung und Armseligkeit und Machtlosigkeit all dieser Teile erdulden, sie muss in Wahrheit ausgetrocknet, ausgeleert und umdunkelt verbleiben! 



Denn der sensitive Teil wird in der Trockenheit geläutert, die Seelenvermögen werden es in der Entleerung von allen Wahrnehmungen, und der Geist wird es in dichter Dunkelheit.

All dieses wirkt Gott mittels der dunkeln Kontemplati- on. Darin erduldet die Seele die gänzliche Entziehung je- den natürlichen Anhalts, jeder Wahrnehmung; und das ist für sie ein überaus beklemmendes Leiden, so als würde sie aufgehängt oder in der Luft, ohne atmen zu können, fest gehalten. 
Darüber hinaus läutert Gott die Seele durch Austilgung und Vernichtung aller unvollkommenen Neigungen und Gewohnheiten, die sie sich während des ganzen Lebens zugezogen hat – nicht anders wie das Feuer von den Metallen Rost und Grünspan hinwegläutert. Da diese Gewohnheiten tief in der Substanz der Seele eingewurzelt sind, pflegt sie dabei innersten Pein und Auflösung zu empfinden, zu all jener natürlichen und geistigen Öde und Armseligkeit. 
[...]
Soll [...] die Seele zum Göttlichen hin gestimmt und bereitet werden, mit all ihren Fähigkeiten für die Einigung mit der höchsten Liebe, musste sie zuvor mit all diesen Kräften eingesogen werden in dieses dunkle Gotteslicht, die spirituale Gotterfahrung musste sie derart abgezogen werden von allen geschöpflichen Wahrnehmungen und Zuneigungen!
Die Dauer solchen Zustandes hängt zumeist von der Heftigkeit
der Erfahrung ab. Je lauterer und unvermischter dies göttliche Licht in die Seele eindringt, um so mehr verdunkelt und tilgt es ihr die Wahrnehmungen und Sonderneigungen bei Erhabenem wie bei Niedrigem; und je unlauterer und vermischter es in sie einfällt, 

um so weniger ist es für sie austilgend und verdunkelnd. 


Unglaublich will es scheinen, dass jenes übernatürliche, jenes göttliche Licht die Seele um so mehr verdunkelt, je heller und reiner es ist, und dass es ihr bei minderer Lauterkeit von minderer Dunkelheit erscheint. Doch lässt sich solches wohl begreifen, wenn die bereits erwiesenen Worte des Philosophen recht erwogen werden: dass nämlich Übernatürliches unserem Verstande um so dunkler ist, je heller und offenbarer es in sich ist. 




Um das verständlicher zu machen, möchte ich solches Licht jetzt mit dem gewöhnlichen natürlichen Licht vergleichen: 

der Sonnenstrahl, der durch das Fenster einfällt,
ist um so weniger sichtbar, je weniger er von Sonnenstäubchen durchsetzt ist; und je mehr Stäubchen und Teilchen die Luft 
enthält, um so klarer erscheint er dem Auge.
Denn das Licht wird in sich selber nicht gesehen; vielmehr ist es das Mittel, das die von ihm getroffenen Gegenstände sichtbar macht.
Erst durch sein Zurückstrahlen von jenen wird es selber wahrnehmbar; und ohne solches Auftreffen bliebe es selber gleich den Gegenständen unsichtbar. Wenn demnach ein Sonnenstrahl durch ein Fenster in ein Zimmer fiele und auf der entgegengesetzten Seite durch ein anderes Fenster wieder hinausdränge, ohne auf Gegenstände, ohne auf Stäubchen in der Luft zu treffen und dadurch aufzustrahlen, dann würde das Zimmer nicht lichter werden als es war, und es bliebe der Strahl unsichtbar. Es ließe sich sogar sagen, dass die Dunkelheit dort, wo der Strahl sich befindet, eher zunimmt; denn er beeinträchtigt und schwächt in etwa, selber unbemerkt, den vorhandenen Schimmer, unter der Voraussetzung, dass Gegenstände fehlen, die ihn zurückwerfen könnten. 
Nun, nicht mehr und nicht weniger bewirkt das Gotteslicht der Kontemplation in der Seele:

bei seinem Einfallen in ihren Raum überwältigt seine Leuchtkraft ihr natürliches Licht und verdunkelt und raubt ihr dadurch alle Wahrnehmungen und Neigungen, die das natürliche Licht ihr zuvor vermittelte. Und so wird sie von jenem Licht nicht nur durchdunkelt, sondern auch ausgeleert von ihren natürlichen und geistigen Kräften und Trieben. 

Ist die Seele derart durchdunkelt und ausgehöhlt, 

dann wird sie in ihrer Gotterfahrung vom übernatürlichen Licht durchklärt und erleuchtet. 
Dabei erfaßt sie nicht seine Anwesenheit, sondern wähnt sich in Finsternisse versenkt – nicht anders, wie es bei dem erwähnten Strahl geschieht, der mitten im Zimmer schweben kann und dabei doch unsichtbar bleibt, sofern er rein ist und auf keine Gegenstände trifft. [...]
So muss die Seele in Entblößung und Armut des Geistes versetzt werden, befreit von allem natürlichen Halt, Trost und Gewahren, sei es durch Überirdisches oder Irdisches. 

Solch ledige Seele ist geistig arm, 

ist ledig des alten Menschen, 
frei für ein neues, 
glückseliges Leben, 
für den Stand der Gotteinigung, dank dieser Nacht. 
Empfangen soll die Seele ein göttliches Gemüt, 

eine göttliche, eine überaus hochsinnige und erquickende Weise, alles Göttliche und Menschliche wahr zu nehmen–
eine Weise, unfassbar für das gewöhnliche Fühlen und das 
natürliche Denken der Seele; ist doch ihr Wahrnehmen dem 
früheren so überlegen, wie das Geisthafte dem Sinnenhaften, das Göttliche dem Menschlichen überlegen ist. 


Für solche Weise muss der Geist über sein gewöhnliches und natürliches Auffassen hinaus verfeinert und veredelt werden, in den gewaltsamen Beklemmungen und Belastungen dieser umwandelnden Gotterfahrung.

Und es muss das Gedächtnis abgerückt werden von allen vertrauten, friedseligen Erinnerungen und durchdrungen von einer Stimmung der Pilgerschaft, der Entfremdung von allem und jedem, ein Bewusstsein, darin alles fremdartig, gänzlich verwandelt erscheint. 
Derart wird der Geist kraft dieser Nacht herausgehoben aus seiner gewöhnlichen und platten Betrachtungsweise, 

empor in göttliche Gesinnung, 
die aller Menschenart fremd und unbegreiflich ist. 
Hier dünkt es die Seele, sie sei außer sich geraten, in eine Welt der Pein. Wiederum wähnt sie, ein Zauber befinge sie, 

eine Entrückung; sie staunt über das, 
was sie sieht und hört, staunt über das Gewohnte, 
als wäre es seltsamster Art. [...] 
Diese peinigenden Läuterungen des Geistes werden von der Seele erduldet, damit sie wiedergeboren werde zum Leben im Geiste, dank dieses göttlichen Einfließens. 

[...] 
Doch hier erhebt sich folgender Zweifel: 
wenn beide Seelenkräfte [d.h. Erkenntnis und Wille] gleichzeitig geläutert werden, 
wie geschieht es dann, 
dass anfänglich viel häufiger im Willen die inbrünstige Liebe der läuternden Gotteinwirkung verspürt wird als in der Erkenntniskraft die entsprechende Einsicht? 

Darauf ist zu antworten, dass solche eingegebene Liebe nicht geradenwegs den Willen trifft. 

Denn der Wille ist frei; und diese Liebesentflammtheit ist mehr Leidenschaft der Liebe als freier Willensakt. 
Denn es trifft diese Glut der Liebe in die Substanz der Seele; und dort erleidet sie ohne ihr Zutun die Erregung starker Zu- neigungen. So kann hier eher von einer Passion, von einer Leidenschaft der Liebe gesprochen werden als von einem freien Willensakt, zu dessen Wesen die Freiheit gehört. 
[...] 
Der Wanderer zu neuen Gebieten, zu unbekannten und unerforschten, er dringt vor auf neuen Wegen, unbekannten und unerforschten, nicht geführt durch das, was er zuvor wußte, sondern in Zweifeln und auf die Aussage anderer hin; und sicherlich, er könnte nicht zu neuen Ländern gelangen und mehr als zuvor erfahren, wenn er nicht durch neue, nie erforschte Wege zöge, das Bekannte hinter sich lassend. 

Und wer tiefer in ein Gewerbe oder in eine Kunst eindringt, der tastet immer durch Dunkel, frühere Erfahrungen zurücklassend; wäre es anders, so käme er niemals über das Frühere hinaus zu Besserem. 

Und so geht die Seele, wenn sie am meisten gefördert wird, im Dunkeln voran, im Ungewissen. 
Denn Gott ist hier Meister und Führer der Seele, dieser Blinden. 
So mag sie, wenn sie endlich dessen inne wird, 
wohl in Wahrheit sich freuen und sagen: 
im Dunkeln und im Sichern. Auch deshalb geht die Seele in jenen Finsternissen sicher, weil sie in Leiden gegangen ist. Der Weg des Leidens ist sicherer und fruchtbringender als der des Geniessens und Tuns. 
[...] 
Als erstes nennt die Seele diese umwölkte Gotterfahrung geheim, weil sie – wie wir es schon berührten – die mystische Theologie ist, die von den Theologen"geheime Weisheit" genannt wird und die sich nach dem heiligen Thomas der Seele durch Liebe mitteilt und eingießt. Im geheimen gießt sie sich ein, dunkel für das natürliche Wirken der Erkenntniskraft und der anderen Vermögen. Geheim wird sie genannt, weil jene Vermögen sie nicht erringen können, weil es vielmehrder heilige Geist ist, der sie eingießt und in der Seele ordnet, wie die Braut im Hohen Liede 
es sagt, jenseits von Wissen und Begreifen. [. . . ] 
Und nicht nur deshalb kann sie "geheim" genannt werden, sondern auch wegen ihrer Wirkung auf die Seele. 
Nicht nur in den Finsternissen und Drangsalen der Läuterung, 
wenn diese verborgene Weisheit die Seele reinigt, ist sie geheim
– geheim wegen der Unfähigkeit der Seele, 
darüber auszusagen. Sie ist es darüber hinaus in der Zeit der Erleuchtung: mag sie sich dann auch minder verschleiert mitteilen, sie ist für die Unterscheidungskraft und die Sprachkraft der Seele so unzugänglich, dass diese keinerlei Antrieb zum Aussagen verspürt, ja dass sie nicht Wege noch Weise noch ein zusagendes Gleichnis findet, so erhabenes Innewerden, so zarte Erfahrung des Geistes zu bezeichnen. Und so würde dieses Geheimnis gewahrt bleiben, auch wenn es sie gewaltig zu einer Verlautbarung triebe, auch wenn sie Deutung über Deutung häufte – 
stets bliebe es noch auszusagen.
Da nämlich jene innere Weisheit so einfach, so allgemein und geistig ist, dass sie in das Bewusstsein nicht mit dem unechten Tand irgendeiner Besonderheit oder eines den Sinnen zugänglichen Bildes eindringt, so wissen Sinnlichkeit und Einbildungskraft nichts darüber auszusagen, nichts davon sich vorzustellen, 

obgleich die Seele ganz gewiss ist, dass sie hier diese köstliche und fremdartige Weisheit aufnimmt und genießt. Wenn jemand etwas erschaut, dergleichen er niemals erblickte, so mag er es auffassen und genießen; allein er könnte es trotz allen Bemühens nicht benennen, nicht kennzeichnen. 

Wenn er das bei sinnlich Wahrnehmbarem nicht vermag, wie denn soll er offenbaren, was nicht in die Sinne drang? 
Denn diese Eigenweise hat die Sprache Gottes: so tiefvertraut ist sie der Seele und so geisthaft über alles Sinnenhafte hinaus, 
dass sie alsbald das ganze harmonische Zusammenspiel der inneren und äußeren Sinne zum Erliegen und Verstummen bringt. 
[...] Zehn Stufen hat diese Stiege der Liebe; 

und von der einen zur anderen steigt die Seele empor zu Gott.
Auf der ersten dieser Stufen wird die Seele von einer heilsamen Krankheit ergriffen. 



In solchem Grade der Liebe spricht die Braut jene Worte: 

"Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems – solltet ihr meinen Geliebten treffen, sagt ihm, ich sei krank vor Liebe!" (Hl. 5,8).
Allein solcher zustand ist nicht eine Krankheit zum Tode, 

sondern zur Verherrlichung Gottes!
Denn in dieser Krankheit erstirbt die Seele der Sünde und allem, was nicht Gott ist, durch Einwirkung Gottes. 
Das bezeugt David: "Meine Seele erstarb angesichts deines Heiles" (Ps. 142,8). Das meint, sie erstarb allen Dingen. 

So wie der Kranke den Appetit und die Lust an allen Speisen verliert und eine andere Färbung bekommt, 
so verliert die Seele auf dieser Höhe der Liebe die Freude und den Geschmack an irgendwelchen Dingen und wechselt wie ein Liebender die Farbe und andere Umstände ihres früheren Lebens. Solche Krankheit befällt die Seele nicht, wenn ihr
nicht von oben her solches Übermaß von Glut gesandt wird. [...] 

Auf der Höhe der zweiten Stufe sucht die Seele unaufhörlich Gott. 

  • Nachdem die Braut beim ersten Grade der Liebe in Ohnmacht befangen gewesen war, 
  • nachdem sie ihn nachts auf ihrem Lager gesucht und nicht gefunden hatte, sagt sie nun: 
"Erheben muss ich mich und ihn suchen, den meine Seele liebt!" (Hl. 3,2). [. . . ]
Hier, auf dieser zweiten Stufe, glüht die Seele von solchem Eifer, dass sie in allem den Geliebten sucht: 
was sie auch denkt, gleich denkt sie an den Geliebten; was sie auch spricht, was sie betreibt, gleich wird es ein Sprechen, ein Handeln von dem Geliebten; wann sie isst wann sie schläft oder wacht, wann sie sich irgendwie betätigt, immer gilt ihr Bemühen dem Geliebten, in jenem Liebesdrang. [. . . ]

Auf der vierten Stufe dieser Stiege der Liebe empfindet die Seele zumeist Schmerz um des Geliebten willen, Schmerz ohne Ermüdung. Denn alle großen, schwierigen, lastenden Dinge – nach den Worten des heiligen Augustinus erscheinen sie der Liebe fast wie nichts. Auf dieser Liebeshöhe sagte die Braut, im Verlangen nach der letzten Höhe, zu ihrem Bräutigam: 

"Presse mich wie ein Siegel in dein Herz, wie ein Siegel in deinen Arm. Denn die Liebe ist stark wie der Tod; Ansturm und Anfeindung, selbst die Hölle kann sie nicht überwältigen!"
(Hl. 8,5). [. . . ]
Die fünfte Stufe dieser Stiege der Liebe lässt die Seele Gott voller Ungeduld begehren und ersehnen. 
So stürmisch ist auf dieser Stufe der leidenschaftliche Drang des Liebenden, den Geliebten zu erfassen, ihm sich zu einen, dass jede Verzögerung, auch die geringste, dass jeder Aufschub ihm überaus lang und lästig erscheint. 
Immer denkt die Seele, jetzt fände sie den Geliebten; und wenn sie in ihrer Erwartung enttäuscht wurde – was ihr fast bei jedem Schritt geschieht –, dann verschmachtet sie an ihrem Verlangen. [. . . ] 
Auf dieser Stufe kann der Liebende nicht anders, als den Geliebten sehen oder sterben!
Aus solcher Leidenschaft sprach Rahel in ihrem Verlangen nach Söhnen zu ihrem Gatten Jakob: 
"Gib mir Söhne, oder ich sterbe!" 
In solchem Zustand lechzen sie wie hungrige Hunde, in ihm belagern und umkreisen sie die Stadt Gottes. 


Liebe ist die Speise solcher schmachtenden Seele; 

denn der Art des Hungers entspricht die Sättigung. [. . . ] 
Auf der Höhe der sechsten Stufe eilt die Seele leichtfüßig Gott entgegen; und oft wird ihr eine begegnende Berührung gewährt. Und fern von Hinfälligkeit eilt sie aus der Kraft der Hoffnung: Liebe, von der sie gefestigt wurde, lässt sie leicht dahinfliegen. 
[. . . ] 

Die siebte Stufe dieser Stiege verleiht der Seele stürmischen Wagemut. Hier gebraucht die Liebe keine Urteilskraft, um hoffend zu warten, hier stützt sie sich auf keine Erwägung, um sich 

zurückzuziehen, und keine Scham vermag sie zu zügeln. [...] 
Auf solcher Höhe wagte es die Braut und flehte: 
"Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes." [. . . ] 


Auf der achten Stufe ergreift die Seele und um- schließt, ohne loszulassen. Die Braut fasst das in solche Worte: 

"Ich fand, den mein Herz und meine Seele liebt; ich nahm ihn zu eigen und lasse ihn nicht mehr los!" (Hl 3,4). 

Auf dieser Höhe der Einigung stillt die Seele ihr Verlangen, allein nicht unausgesetzt. Einigen ist es wohl beschieden, den Fuß auf diese höchste Stufe zu setzen; allein sie ziehen ihn bald wieder zurück. Würden sie auf solcher Höhe verweilen, so hätten sie in gewisser Weise schon die Seligkeit in diesem Leben empfangen; und so verharrt die Seele nur für kurze Spannen dort.[...]
Der neunte Grad der Liebe lässt die Seele in Gelindigkeit brennen! 
Es ist die Höhe der Vollkommenen, die bereits gesänftigt in Gott flammen. Denn diese gelinde, wonnereiche Glut entfacht in ihnen der Heilige Geist, kraft ihrer Einigung mit Gott. [. . . ] 
Es sei hier nur gesagt, dass nun die zehnte, die letzte Stufe dieses Liebesanstieges sich heraushebt: hier gleicht sich die Seele vollkommen Gott an, dank der klaren Schau Gottes. 
Die Seele, die in diesem Leben bis zur neunten Stufe empor gelangte, gewinnt unmittelbar bei ihrer Trennung vom Leibe diese beseligende Schau.
  • Denn diese wenigen, die kraft der Liebe schon schlackenlos durchläutert sind, brauchen das Fegefeuer nicht mehr zu durchleiden. 
Deshalb sagt der heilige Matthäus: 

"Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen!" (5,8). 
Solches Erschauen bedingt die gänzliche Angleichung der Seele an Gott. [. . . ] 
Nicht, dass die Seele so unumschränkt wie Gott würde, das wäre unmöglich. Allein alles, was sie ist, wird in Gott überformt werden, derart, dass sie sich nennen kann, dass sie in Wahrheit sein wird: Gott durch Mit-bestehen und Mitwirken.
Dies ist die geheime Stiege, von der die Seele singt. 
Freilich sind ihre oberen Stufen für die Seele minder geheim; denn vieles wird ihr erhellt durch die Liebe, die in ihr so gewaltig am Werk ist. Allein auf dieser höchsten Stufe, bei jenem trübungslosen Erschauen, in jener Erhabenheit, wo Gott weilt, gibt es für die Seele nichts Verhülltes mehr, dank der uneingeschränkten Angleichung. 
[...] 
Diese Gnaden, von Gott durch sich selbst geschenkt, sind vollkommen göttlich und hehrster Art; sind es doch wesentliche Berührungen zwischen Gott und Seele,
Berührungen der Gotteinigung. 
In einer einzigen solcher Angleichungen, dieser höchsten Stufe der Gebetseinigungen, gewinnt die Seele größeres Heil als in allem übrigen.
Denn dieses sind die Berührungen, von denen die Seele im Hohen Liede sagt: 
"Er küsse mich mit dem Kuss seines Mundes." 

Da solche Liebkosung mit Gott zusammenfügt, so innig, wie es die Seele in ihrem stürmischen Liebesdrang begehrte, so schätzt und ersehnt sie solche Berührung mehr als alle übrigen göttlichen Gnaden. 

Nachdem sie viele Liebeszeichen von ihm empfangen hatte, von denen sie ihm im Hohen Liede singt, findet sie sich dennoch nicht gesättigt; um solche Berührungen fleht sie ihn an: 
"Wer gewährte dich mir, mein Bruder, dass ich, nun entwöhnt von den Brüsten meiner Mutter, allein dich antreffen möge und mit dem Munde meiner Seele dich küsse, und dass fortan mich keiner verachte und kränke!" (Hl. 8,1). 
***







Aus dem Buch:

> DIE LIEBESFLAMME! VOM HEILIGEN JOHANNES VOM KREUZ

O Flamme von Liebe lebendig,

die du zärtlich verwundest

meine Seele in tiefster Mitte!

Da du nicht mehr quälend bist,

komm schon ans End’, wenn’s dir gefällt;

zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung!

Die Mitte der Seele ist Gott. 


Die lebendige Liebesflamme!


1. O Flamme von Liebe lebendig, 
die du zärtlich verwundest
meine Seele in tiefster Mitte!
Da du nicht mehr quälend bist,
komm schon ans End’, wenn’s dir gefällt;
zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung! 

2. O Brenneisen zärtlich!
O Wunde wonnetrunken!
O milde Hand, o zartkosende Berührung,
die schmeckt nach ewigem Leben
und alle Schuld begleicht!
Tötend hast Tod du in Leben getauscht.

3. O Leuchten von Feuer,
in deren Strahlen
die tiefen Höhlen des Sinnes,
der dunkel und blind war,
mit wundersamen Aufgipfelungen
Wärme und Licht zugleich ihrem Liebsten spenden!

4. Wie sanft und liebkosend
erwachst du in meinem Schoß,
wo du allein insgeheim wohnest!
Und in deinem köstlichen Hauch,
von Gutem und Herrlichkeit voll,
wie zartkosend machst du mich verliebt!


AusDie lebendige Flamme!
von St. Johannes vom Kreuz

Sämtliche Werke, Bd.4, Die lebendige Flamme; 
Die Briefe und die kleinen Schriften von Johannes vom Kreuz
Übers. I.Behn


"O regste Liebeslohe,

die zärtlich mich verwundet
bis in der Seele Kern und tiefstes Leben! 

Gesänftigte, du hohe –
tilg, dass mein Herz gesundet,
dem süßen Treffen tilg die Trennungsweben.


O Flamme, mild umleckend!
O Wunde, lind zu dulden!
O holde Hand! O liebliches Durchdringen, nach ewigem Leben schmeckend, vergütend alle Schulden!


Todbringend willst du höchstes Leben bringen.

O Leuchten voll von Brünsten,
dank deren Widerscheine
des Sinns abgründige Höhlen ohne Enden – nicht länger blind von Dünsten –
in fremder Himmelsreine
dem Liebsten beides, Licht und Wärme spenden!


Wie liebreich und verstohlen
erwachst du in Gehegen,
tief im Gemüt mir, wo du sieghaft gründest: 

mit würzigem Atemholen
voll sonnenholdem Segen
wie unberührbar zart du mich entzündest!"


Ist sie bis dahin gelangt, gemäß der ganzen Fassungskraft ihres Seins und ihres Strebens und Wirkens, dann ist sie hingelangt bis zu ihrem letzten und tiefsten Zentrum in Gott; und solches begibt sich, wenn sie mit all ihren Kräften Gott auffasst,
liebt und genießt.
Hat sie solches noch nicht erreichen können – wie es in diesem Le- ben der Fall ist, in dieser Beschränkung, darin sie wohl in Gott als ihrer Mitte dank seiner Huld und Hingabe verweilen, aber nicht bis zur letzten Tiefe gelangen kann – dann bleibt ihr noch immer Spannkraft und Neigung zu weiterer Bewegung und sie ist selbst in solcher Mitte nicht vollends befriedet, ehe sie nicht bis zur letzten Tiefe, zum Abgrund Gottes gelangt ist.
[...]
Die Liebe ist die Neigung der Seele, ist das Gewicht und die Kraft, die sie zu Gott hinziehen. Mithilfe der Liebe einigt sich die Seele mit Gott. Und je mehr Grade der Liebe sie besitzt, um so tiefer dringt sie in Gott ein, um so konzentrischer umringt sie sein Zentrum. So können wir sagen:
so viele Grade der Gottesliebe von der Seele umspannt werden
können, soviel lebendige Mitten vermag sie in Gott zu haben,
eine tiefer im Innern als die andere.
Dabei ist die stärkste Liebe auch die einigendste.
Und von hier aus lassen sich die vielen Wohnungen verstehen, die nach den Worten des Gottessohnes im Hause seines Vaters sind (Joh 14,2).
[...]
Bezeugt die Seele demnach hier, dass die Liebesflamme sie bis zum tiefsten Lebenskern verwundet, so sagt sie damit, dass es der Heilige Geist selber ist, der sie in ihrer Substanz, in ihren Fähigkeiten und Kräften überwältigt und verwundet! 

Sie will damit nicht sagen, dass solche Gotteinigung so wesentlich und vollständig sei wie in anderen Leben, im beseligenden Erschauen Gottes. Mag die Seele auch in diesem sterblichen Leben so hohe Vollkommenheit erreichen, wie sie hier aussagt, dennoch kann sie nicht bis zu dem vollkommenen Zustand ewiger Herrlichkeit gelangen. Nur vorübergehend könnte sich wohl das Heilvolle begeben, dass Gott ihr eine Gnade solcher Art gewährte.

Hier aber will die Seele mit ihren Worten die Überfülle seliger Wonne kennzeichnen, die sie bei solchem Sich mitteilen des Heiligen Geistes erfährt. [...]
Freilich mag ihr der Habitus der Liebe wohl schon in diesem Leben so vollkommen eingewurzelt sein wie im jenseitigen, doch nicht so vollkommen ist ihr Akt und ihre Frucht. Und dennoch wachsen Wirkkraft und Frucht der Liebe in dieser Vereinigung bis zu einem Grade, der sich der ewigen Verklärung schon sehr annähert.
Und weil die Seele es so erlebt, wagt sie zu sagen, was eigentlich nur vom anderen Leben gesagt werden kann:
"bis in der Seele Kern und tiefstes Leben".
[...]
Etwas von dem Heilsgut der Seele strömt zuweilen auf den Leib über, als Salbung des Heiligen Geistes.
Dann genießt das ganze sinnenhafte Wesen und alle Glieder und Knochen bis ins Mark, und nicht mit der gewöhnlichen Schlaffheit; dies ist eine starke Empfindung verklärender Wonne,
spürbar bis in die letzten Gelenke von Händen und Füßen.
Und so tief fühlt der Leib die Herrlichkeit der Seele mit, dass er auf seine Weise Gott erhebt.
Er empfindet in seinen Knochen, was David sagt: "All mein Gebein wird künden: Gott, wer wäre dir gleich?" (Ps 34,10)
Und weil alle Aussage unzulänglich ist, so genügt es, vom Leibhaften wie vom Geisthaften zu versichern, sie kosteten vom ewigen Leben.
[...]
Da der Tod nichts anderes ist als Beraubung des Lebens, bleibt kein Schatten des Todes, wenn das Leben kommt. 
Im Geistigen gibt es zwei Arten von Leben:

  • das eine ist das selige Leben, das in der Schauung Gottes besteht; und dieses kann nur durch körperlichen, natürlichen Tod gewonnen werden. So sagt es der Apostel Paulus: "Wir wissen, wenn dieses unser tönernes Haus zerbricht, dann werden wir Wohnstatt bei Gott im Himmel haben" (2 Kor. 5, 1). 


  • Das andere ist vollkommenes vergeistigtes Leben, Aneignung Gottes durch Liebeseinigung. Und dieses wird gewonnen durch das gänzliche Ersterben der Laster und Triebe und der Natur selber. Und solange dies sich nicht vollzieht, kann die Vollkommenheit des vergeistigten Lebens, die Gotteinigung, nicht Wirklichkeit werden. Auch dies bekundet der Apostel: "Wenn ihr dem Fleische nachleben wollt, werdet ihr sterben, doch wollt ihr mit euerm Geiste die Regungen des Fleisches töten, werdet ihr leben."(Röm8,13).

Was die Seele hier Tod nennt, das meint den alten Menschen, die Verwendung der Seelenvermögen, Gedächtnis, Erkenntnis, Wille für Weltliches, das Haften von Trieben und Neigungen am Geschöpflichen.
All dies ist Betätigung des alten Lebens, das da Tod ist des neuen, geisthaften.
In diesem kann die Seele nicht gänzlich leben, 
wenn nicht zuvor der alte Mensch gänzlich stirbt.
[...]
Es gibt bei dem Gesichtssinn zwei Ursachen für den Ausfall des Sehvermögens: Dunkelheit der Umgebung oder Blindheit. 
Gott ist das Licht und der Gegenstand der Seele. 
Wenn ihr dies Licht nicht leuchtet, dann ist sie im Dunkeln, mag ihre Sehkraft auch ausgezeichnet sein. 

  • Verharrt sie in Sünde, oder sind ihre Triebe von Gott abgewandt, dann ist sie blind! 

Und in solcher Blindheit sieht sie nicht ihre eigene Finsternis, nicht ihre Unwissenheit, auch wenn Gottes Licht auf sie eindringt. Bevor Gott sie in ihrer Umwandlung erneuerte, war sie verdunkelt und unwissend gegenüber den göttlichen Heilsgütern.
[...]
In geisthaftem Sinne besteht ein Unterschied zwischen im Dunkeln sein und in Finsternis sein. 

Demnach heißt in Finsternis sein: verblendet, in Sünde sein. 
Im Dunkeln kann man jedoch ohne Sünde sein

  • und das auf zwei Weisen: durch fehlendes Licht für natürliche Gegenstände sowie für einige übernatürliche Dinge. Und gegenüber dem Natürlichen wie dem Übernatürlichen, so bekennt die Seele, war ihr Sinn noch im Dunkeln vor jener unschätzbaren Salbung. Bevor der Herr sagte: "Es werde Licht!" lagerten Finsternisse über den abgründigen Tiefen des Seelensinnes. Und je abgründiger dieser ist, um so abgründiger sind seine Buchtungen, um so tiefer und dichter sind die Finsternisse vor dem Übernatürlichen, wenn Gott, das Licht dieses Sinnes, ihn nicht erleuchtet. Und es ist ihm unmöglich, die Augen zum göttlichen Licht zu erheben und die Gedanken darauf zu richten, da es ungesehen und darum ihm unbekannt blieb. 

Deshalb kann er dies Licht auch nicht erstreben, vielmehr erstrebt er die Finsternisse, da er sie kennt. So gleitet er von Finsternis zu Finsternis, von jener Finsternis geführt. 





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