Eine Zeitung aus dem Jahre 1962 über ein Konzil Gottes die Unfehlbarkeit des Papstes...

 

GOTTES EIGENES KONZIL

Interessanter Bericht über Kirchengeschichte, über Kaiser Konstantin, Konzilien, Papst Caelestin, die Unfehlbarkeit des Papstes und der Umgang eines Papstes mit dem Islam...
Herr der Welt war Kaiser Konstantin, den man später den Großen nannte. 
Sein Reich erstreckte sich von Schottland bis zum Euphrat, von Köln bis Karthago 'und von dort bis nach Afrika hinein (siehe Graphik Seite 72). Seine Macht war unumschränkt. Er hatte es nicht einmal mehr nötig, in Rom, der alten, aber längst moralisch und wirtschaftlich heruntergekommenen Zentrale des Imperiums, zu residieren. 
Schon sein Vorgänger Diokletian hatte sich den idyllischen Ort Nikomedeia am Marmara-Meer zur vorläufigen Residenz gewählt, fernab von den Intrigen des verlumpten römischen Adels, fernab von den ständigen Mordanschlägen korrupter Garde-Offiziere, denen so viele Kaiser zum Opfer gefallen waren.
Nicht weit von Nikomedeia lag ein Ort, der Nicäa hieß und einen kaiserlichen Palast besaß. In einem Saal dieses Palastes versammelte sich an einem Maitage des Jahres 325 nach Christus eine Schar christlicher Priester. Man nimmt heute an, daß es rund 220 waren. 
Es waren Bischöfe christlicher Gemeinden aus Vorderasien, Nordafrika und dem Balkan. Nur fünf von ihnen kamen aus Westeuropa. 
Der Kaiser hatte die Priester zu einer Konferenz zusammengerufen, die heute als das erste ökumenische Konzil der christlichen Kirche gilt. 
Der Kaiser wünschte, daß ein Glaubenstreit, der unter den christlichen Priestern ausgebrochen war, ein für allemal durch eine endgültige Regelung behoben werde. Zwar schien dem Kaiser, daß es bei dem Streit letztlich um "Lappalien" ging (ob Christus dem Gottvater "wesensgleich" sei oder nicht), aber er meinte, das Problem sei doch aus politischen Gründen wichtig genug, es auf einer Konferenz zu klären. (Siehe Text-Kasten Seite 74: Konzil von Nicäa.)
Angesichts der Machtfülle des Kaisers mag es dem heutigen Betrachter verwunderlich erscheinen, daß der Kaiser, damals noch ein Heide, sich um solche "Lappalien" wie die Gott-Gleichheit oder Gott-Ähnlichkeit des vor drei Jahrhunderten gestorbenen palästinensischen Wanderpredigers Jesus Christus kümmerte. Tatsächlich kam auch für damalige zeitgenössische Betrachter das kaiserliche Interesse an dem christlichen Theologenkonflikt einem Wunder gleich, freilich aus ganz anderen Gründen.
Viele der Priester, die zum Konzil nach Nicäa kamen, waren Krüppel. Ein Bischof vom Euphrat war an beiden Händen gelähmt - die kaiserliche Polizei hatte ihm die Armsehnen mit glühenden Eisen zerrissen -, ein ägyptischer Konzilsvater hatte nur ein Auge, viele Konzilsteilnehmer hatten zeitweilig im Gefängnis gesessen.
Bis zum Jahre 305 waren die Christen im ganzen Römischen Reich von der Polizei verfolgt worden. Dann hatte
- wovon die Forschung bis vor kurzem überzeugt war - im Jahre 313 Konstantin, der damals noch allein im Westteil des Reiches regierte, zusammen mit seinem Kollegen, dem Ostkaiser Licinius, das sogenannte Mailänder Toleranz-Edikt erlassen, das die christliche Religion staatlich genehmigte und den bis dahin Verfolgten eine Wiedergutmachung verhieß. 
Aber seit 314 hatte Licinius im Ostreich die Christenverfolgung wieder,aufgenommen. Erst 324 - also ein Jahr vor dem Konzil von Nicäa - ging die schreckliche Zeit auch für die Christen des Ostens zu Ende: Licinius verlor im Kampf gegen Konstantin Reich und Leben. 
Der Wandel der Dinge muß für die bischöflichen Konzilsväter aufregend gewesen sein: Noch eben von der Polizei gehetzt, waren sie nun auf kaiserliche Einladung in kaiserlichen Postwagen oder Schiffen nach Nicäa gereist, wo der Kaiser ihnen Reise- und Aufenthaltsspesen zahlte und sie gleicherweise durch Demut und Prunkentfaltung zu beeindrucken versuchte. 
Eusebius von Caesarea, Bischof und erster Geschichtsschreiber der christlichen Kirche, hat in seinem Augenzeugenbericht geschildert, wie der Kaiser zur Eröffnung der Versammlung erschien: 
"... angetan mit einem Gewand, das glänzte und blitzte wie von Sprühregen aus Licht, leuchtend in Strahlen feurigen Purpurs, geschmückt mit Gold und der flirrenden Pracht von tausend Edelsteinen." 
Der Bericht des Eusebius läßt erkennen, wie stark die Konzilsabgeordneten - arme Priester aus syrischen, arabischen oder ägyptischen Provinzstädten - von dieser kaiserlichen Prunkentfaltung beeindruckt waren. Sicher war das auch die Absicht Konstantins. 
Vielleicht noch verwirrender jedoch war, daß dieser, gleich "einem himmlischen Engel Gottes" (Eusebius) anzusehende Kaiser sich vor ihnen, den Christen-Priestern, wie ein kleiner, bescheidener Konzilsteilnehmer benahm. Eusebius berichtet - und in seinem Bericht kämpfen Verwunderung und Stolz miteinander -, daß der Kaiser mit rotem Gesicht, niedergeschlagenen Augen und zögerndem Schritt auf den Thronsessel zugegangen sei, den man für ihn im Konzilssaal bereitgestellt hatte.
Es ist offenkundig, daß Konstantin mit der Zurschaustellung seiner Macht, aber auch seiner Demut eine doppelte Absicht verfolgte, nämlich das Christentum für sich zu gewinnen und es zugleich so zu organisieren, daß es als Instrument seiner, des Kaisers, Macht brauchbar wurde.
Das war die Absicht, die Konstantin mit dem Konzil verband, und er stand auch nicht an, diese Absicht von vornherein klarzumachen.
In seiner Eröffnungsrede bezeichnete er sich scheinbar demütig als der "Mitknecht" der versammelten Bischöfe, fügte aber gleich hinzu, welche Rechte er aus dieser "Mitknechtschaft" für sich selbst herleitete. "Auch ich", sagte er, "bin ein Bischof. Ihr seid die Bischöfe für die inneren Angelegenheiten der Kirche, ich hingegen bin der von Gott erwählte Bischof, der die äußeren Angelegenheiten der Kirche zu leiten hat."

Noch deutlicher hatte sich Konstantin vor dem Konzil in einem Brief ausgedrückt, in dem er darauf hinwies, daß er schon früher 'einmal einen Streit unter christlichen Priestern geschlichtet hatte: 
"Zwei Gründe hatte ich für meine Handlungsweise: Erstens wollte ich alle Völker zu einer Gottesvorstellung und Gottesverehrung zusammenschließen, zweitens wollte ich den gesamten Staatskörper, der gewissermaßen an einer schweren Krankheit darniederliegt, erneuern. Jenes wollte ich durch innerliche Erkenntnis, dieses durch ein starkes Heer erreichen." 
Man kann aus diesem Brief den Gedankengang Konstantins unschwer rekonstruieren. Konstantin hatte das Christentum als eine bedeutende moralische Kraft erkannt. 
Als Verwaltungsfachmann und Militär zog er aus solcher Erkenntnis die praktische Nutzanwendung, daß diese moralische Kraft der Erneuerung und Stabilisierung des korrumpierten römischen Imperiums sehr nützlich sein könnte - unter zwei Voraussetzungen freilich: Es mußte ihm, dem Kaiser, gelingen, die innere Zerklüftung des Christentums zu überwinden, und außerdem mußte er sich selbst einen entscheidenden Einfluß auf die Kirche sichern. 
Ein in zahllose Sekten zerfallenes Christentum (nach 300 hatte man an die 80 christlichen Richtungen gezählt) war dem Kaiser nichts nütze. Nur ein in Lehre und Aufbau einheitliches Christentum konnte ihm als Ferment des Weltreiches dienlich sein. Deswegen mußte ein Zentralorgan geschaffen werden, das für die Einheit des Christentums sorgte: das Konzil. Zugleich sollte es die Instanz sein, über die er seinen Einfluß auf die zu bildende Weltkirche geltend machen konnte.
Dieser Plan war die Frucht der Erfahrungen, die der Kaiser als Soldat und Verwaltungsbeamter gesammelt hatte. Vermutlich im Jahre 272 als Sohn einer bithynischen Kellnerin und des späteren Unterkaisers (Cäsars) Constantius Chlorus geboren, kannte Konstantin wie kein anderer die inneren und äußeren Schwierigkeiten des Reiches. Selber Offizier, hatte er die Bestechlichkeit des römischen Offizierskorps beobachten können. Selber in einem mörderischen Machtkampf von Cäsarensöhnen und Generälen emporgekommen, wußte er, wie brüchig alle verfassungsrechtlichen Versuche zur Stabilisierung des Reiches waren. 
Als junger Tribun hatte er mitangesehen, wie Kaiser Diokletian der fürchterlichen Inflation der römischen Währung hatte beikommen wollen. (Um 300 kostete ein Scheffel Weizen in Ägypten 120 000 Drachmen; 250 Jahre zuvor hatte er nur acht Drachmen gekostet.) Er hatte auch gesehen, wie der diokletianische Sozialismus zur Heranbildung einer korrupten Beamtenschaft geführt hatte.
Als General schließlich, der in Britannien gegen die Kelten und am Rhein gegen die Germanen gekämpft hatte, kannte er die Gefahren, die dem Reich von außen drohten. 
Der Gedanke, die Korruption des römischen Militär- und Verwaltungsapparates mit Hilfe einer der Religionen einzudämmen, die in den letzten Jahrhunderten im Nahen Osten aufkamen, war keineswegs neu. Auch andere Kaiser hatten das versucht, und als Konstantin im Jahre 312 in der Nähe von Rom zur Schlacht gegen seinen Nebenbuhler Maxentius antrat, trugen die feindlichen Legionen Kult-Zeichen der aus dem Orient stammenden Mithras-Religion. Der Legende nach soll dem Konstantin vor der Schlacht ein Kreuz erschienen sein, das die Inschrift trug: "In diesem Zeichen wirst du siegen!"
Was immer von der Legende zu halten ist, ihr innerer Gehalt ist wahr, und Konstantin, begabt mit dem Sinn für das Handgreifliche, zog die praktischen Schlüsse, die sich aus seinem Sieg im Zeichen des Kreuzes ergaben. Schon 314 berief er eine Bischofskonferenz seines damaligen Reichsteiles nach. Arles in Gallien ein und ließ von ihr bestimmen, daß alle Soldaten seiner Legionen exkommuniziert werden sollten, sobald sie desertierten.
Diese Maßnahme und ihr Erfolg umschließen Motive und Programm der konstantinischen Kirchenpolitik, insbesondere aber auch des vom Kaiser veranlaßten und geleiteten. Konzils von Nicäa. 
  • Der Sinn des Konzils, so wie Konstantin es geplant hatte, bestand darin, ein einheitliches, unter kaiserlicher Leitung straff organisiertes Christentum als Instrument der moralischen Stabilisierung des Weltreiches zu schaffen. 
Indes, so interessiert Konstantin an dem Bündnis zwischen Kaisertum und Christentum war, die Bischöfe waren es nicht weniger. Selbst wenn man von dem naiven Stolz auf die Gunst des Kaisers absieht, wie er in dem Konzilsbericht des Eusebius zum, Ausdruck kommt - es gab für die politisch begabten Köpfe unter den christlichen Klerikern viele vernünftige Gründe, sich an die Autorität des Inhabers der weltlichen Macht anzulehnen und diese sogar zu stützen.

Das Christentum drohte damals in zahllose Sekten zu zerfallen
 
Das Christentum drohte damals in zahllose Sekten zu zerfallen. Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts hatte der römische Philosoph Celsus über die Zerrissenheit des Christentums gespottet. Das Christentum bedurfte also dringend einer zentralen und ökumenischen Autorität, das hieß: einer Instanz, deren Macht bis in alle Teile des römischen Imperiums reichte. 
Wie aber sollte diese zentrale Autorität geschaffen werden, wenn der römische Weltstaat in ein Mosaik von vielen Cäsarenreichen zerfiel? Mußte das Christentum nicht aus wohlverstandenem Eigeninteresse die Herrschaft eines einzigen Kaisers und damit die Existenz des römischen Weltstaates stützen?
Wie sollte man überhaupt ohne kaiserliche Post und kaiserliches Verkehrswesen den Meinungsaustausch der Gemeinden untereinander aufrechterhalten oder gar ein, Konzil zustande bringen? Wie schließlich durfte man hoffen, ketzerische Bewegungen in entfernten Reichsteilen wirksam bekämpfen zu können, wenn nicht kaiserliche Justiz und kaiserliche Polizei dabei behilflich waren?
Das von Konstantin gegründete Bündnis zwischen dem (oströmischen) Kaisertum und der werdenden Kirche ruhte also auf der stabilen- Grundlage wohlverstandener' Interessen beider Bündnispartner. Das Bündnis mit der Ostkirche sollte dann auch bis zum Untergang Ostroms (1453) dauern.
Gleichwohl schloß dieses Bündnis auch einen jahrhundertelang mit Erbitterung ausgefochtenen Machtkampf in sich ein. Kontrahenten dieses Kampfes waren die Kaiser, die seit 330 (Gründung Konstantinopels durch Konstantin) ihren Sitz endgültig im Orient hatten, und die Konzilsparteien.
Kirche und Kaiser brauchten einander, aber wer von ihnen sollte in ihrem Bündnis der Erste sein? 
Für die Kirche war die Ausgangslage in diesem Kampf schlecht.  
Die Konzilien bezeugten die Uneinigkeit innerhalb der Kirche.  
Es war ja der Zweck dieser Bischofsversammlungen, innere Streitigkeiten zu beheben. So gab es denn auch auf jedem Konzil zwei öder mehrere theologische Parteien, die sich bekämpften. 
Der Kaiser gab mit seiner Parteinahme dabei meist den Ausschlag für den Sieg der einen oder anderen Richtung. Die Kaiser besaßen die Polizei, das Heer und das Geld. Sie konnten in die Parteienkämpfe der Konzilien eingreifen, indem sie drohten und bestachen oder Ämter, Ehren und Pfründen in Aussicht stellten. Selber an den Glaubensnöten - den Fragen der Heiligen Dreifaltigkeit, der Natur des Heiligen Geistes und so fort - wenig interessiert, konnten sie die machtpolitische Direktive verfolgen, die ihnen Konstantin hinterlassen hatte: die dogmatischen Probleme als "Lappalien" anzusehen, dafür aber die Kirche als politischmoralisches Machtinstrument intakt zu halten - und zu beherrschen. 

Während jedoch im Osten oströmisches Kaisertum und hellenistisches 'Christentum einander auf und zwischen den Konzilien zermürbten, formierte sich am Rande dieses Kampfes eine neue= kirchliche Autorität: die des römischen Bischofs - und zwar mit der nach und nach immer deutlicher werdenden Tendenz, beide, den Kaiser und das Konzil, als oberste Autoritäten des Christentums und der Welt abzulösen.
Schon während des von Kaiser Konstantin dem Großen einberufenen Konzils von Nicäa lassen sich Spuren dieses päpstlichen Anspruches nachweisen.
Das Konzil ging nach rund zweimonatiger Dauer am 25. Juli 325 mit der Formulierung eines Glaubensbekenntnisses zu Ende. Darin bestimmte die Kirche, daß Christus dem Gottvater "wesensgleich" sei, wie es der Erzpriester Athanasius aus Alexandria in Ägypten gefordert hatte. Der Vertreter der geschlagenen theologischen Partei, der Priester Arius, wurde gebannt. (Gleichwohl lebte seine Richtung, der sogenannte Arianismus, noch lange weiter. Insbesondere die germanischen Völkerschaften, außer den Franken, bekannten sich jahrhundertelang zum arianischen Christentum.)
Konzil und Kaiser hatten eine der grundlegenden Entscheidungen des Christentums, bedeutungsvoll für die ganze fernere Geschichte der Menschheit, getroffen; am Rande des Konzils aber spielte sich ein Vorgang ab, der - damals wahrscheinlich wenig beachtet - in der späteren Betrachtungsweise des römisch-katholischen Christentums einen wichtigen Platz einnehmen sollte.
Bei Abschluß des Konzils hatten alle Konzilsabgeordneten das neue Glaubensbekenntnis unterschreiben müssen. Als erster hatte der kaiserliche Konzilsbeauftragte, ein spanischer Bischof namens Hosius, unterschrieben, an zweiter Stelle aber die Gesandten (Legaten) des römischen Bischofs - und zwar, obwohl selber nicht Bischöfe, noch vor allen anderen Konzilsteilnehmern, die zumeist Bischöfe waren.
Juristisch gesehen, war damit gleich beim ersten christlichen Konzil ein gewisser Primat des römischen Bischofs anerkannt - und die juristisch versierte römische Kirche hat nie verfehlt, auf diese Tatsache hinzuweisen.
Einer ihrer bedeutendsten Vertreter, der Kardinal Bellarmin, hat sogar Ende des 16. Jahrhunderts die These vertreten, das Glaubensbekenntnis des Konzils von Nicäa habe überhaupt erst durch die Unterschrift der päpstlichen Legaten Rechtskraft erhalten. Diese These entspricht genau dem Unfehlbarkeitsdogma, das 1545 Jahre nach Nicäa, nämlich im Jahre 1870, auf dem Ersten Vatikanum in Rom zum Glaubensgebot für alle römisch-katholischen Gläubigen gemacht wurde. 
Seit 1870 sind Konzilienbeschlüsse nur dann gültig, wenn der Papst sie bestätigt hat. 
Freilich dachte zu Zeiten Nicäas noch kein Konzilsvater an eine solche Auslegung.
Das erste Konzil von Nicäa hatte übrigens noch ein Nachspiel, das für die zynische Kirchenpolitik des großen Konstantin charakteristisch war. Gegenspieler des vom Konzil exkommunizierten Arius war der Erzpriester Athanasius aus Alexandria in Ägypten gewesen. Athanasius war dann später, im Jahre 328, zum Erzbischof von Alexandria erwählt worden.
Inzwischen aber hatte Konstantin herausgefunden, daß die harte Verurteilung des Arius keineswegs sonderlich vorteilhaft gewesen war. Politisch interessiert an der Einheit der Kirche, wünschte er nun eine Versöhnung zwischen Athanasius und Arius konkret: die Aufhebung der Exkommunikation des Arius.
Dazu kam ein weiterer Umstand, der Konstantin beunruhigte, er hatte erwartet; daß die christliche Kirche die Verwaltungsdisziplin im Reich heben werde. Im Gegensatz dazu aber unterband der Ägypter Athanasius entgegen kaiserlichem Befehl die Getreideexporte Ägyptens nach Konstantinopel. Jedenfalls behaupteten das die Gegner des Athanasius bei Hofe. 
Das vorläufige Ende dieser teils dogmatischen, teils wirtschaftlichen rund verwaltungstechnischen Auseinandersetzungen war jedenfalls, daß 'der Kaiser den, rechtgläubigen Athahasius in das barbarische Deutschland verbannte; nach Trier.
Arius zog indessen triumphierend in die neue Kaiserstadt Konstantinopel ein, wo er freilich ein Ende fand, dessen Schmählichkeit sein Gegner Athanasius nicht ohne Genugtuung verzeichnete. 
Arius, so berichtet Kirchenvater Athanasius, sei eines Tages bei einem Gang durch die Stadt von einem dringenden Bedürfnis befallen worden: "Um seine Notdurft zu verrichten, ging er auf den Abort. Doch plötzlich, nach dem Sprichwort: Was Hals über Kopf entsteht, das zerplatzt in der Mitte' - fiel er um, war mausetot und hatte Leben und Gesellschaft der Menschen verloren." 
Im ersten Jahrtausend fanden acht (heute von der römisch-katholischen Kirche anerkannte) ökumenische Konzilien statt. Auf diesen Konzilien - besonders auf den ersten vier - wurde das dogmatische Gebäude des Christentums, so wie es noch heute steht, geschaffen. Die Konzilien formulierten die Lehre von den zwei Naturen des Gottmenschen Christus, legten das Dogma von der göttlichen Natur des Heiligen Geistes fest und gaben der Vorstellung von der Dreifaltigkeit Gottes - als Vater, Sohn und Heiliger Geist - Gestalt. 
Alle diese acht Konzilien kamen auf Anweisung der weltlichen Gewalt, also der oströmischen Kaiser, zustande. Sämtliche Konzilien fanden in Kleinasien, also unter unmittelbarer Aufsicht der weltlichen Gewalt, statt. 
Daß sie in Kleinasien, also im griechisch sprechenden Ostteil des Reiches, stattfanden, hatte keineswegs nur politische Gründe. Vielmehr war der Osten des Reiches der zivilisatorisch fortschrittlichere, der philosophisch, religiös und kulturell überlegene Teil des Reiches. Schon um 300 war ungefähr ein Viertel der Bevölkerung im Ostteil des Reiches christlich, im Westen nur ein Zwanzigstel. Während der römische Westen wirtschaftlich und geistig, politisch und moralisch einem chaotischen Ende entgegenzutreiben schien, erlebte der Osten eine fast 700 Jahre, lang währende Epoche politischer und geistiger Blüte.
So waren denn auch die ersten Konzilien dieser Epoche fast ausschließlich Angelegenheiten des griechisch sprechenden Teils der Christenheit. Die Führer der großen dogmatischen Parteien, die sich auf den ersten acht Konzilien gegenübertraten und in ebenso tiefsinnigen wie philosophisch komplizierten Ausführungen das künftige Bild des Christentums gestalteten, stammten durchweg aus, Vorderasien oder Nordafrika. 
Die lateinisch sprechenden Weströmer bildeten, wie bereits auf dem Ersten Konzil von Nicäa, eine verschwindende Minderheit, die sich oft genug auch noch durch Unbildung auszeichnete.  
Es kam vor, daß die Legaten des Papstes der Diskussion überhaupt nicht folgen konnten, entweder weil sie die griechische Sprache nicht beherrschten, oder auch, weil weder ihnen, den Legaten, noch ihrem Auftraggeber, dem Papst, die zur Debatte stehende Problematik klar war.
Indes, so fragwürdig zuweilen die theologischen Kenntnisse der römischen Bischöfe waren, um so mehr Sinn und Begabung hatte man in Rom für juristische Probleme. Gestützt auf die juristischen Traditionen des alten Rom, verfochten die Päpste den Rechtstitel ihres Primats mit bewunderungswürdiger Konsequenz.
381 veranstaltete Kaiser Theodosius I. in Konstantinopel ein zweites Konzil: das Erste Konzil von Konstantinopel. Bei diesem Konzil waren weder der Papst, Damasus I., noch irgendwelche päpstlichen Legaten anwesend. Die für die Kirche wichtige Entscheidung, wonach der Heilige Geist göttlicher Natursei, kam also ohne unmittelbare Beteiligung des römischen Bischofs zustande eine Tatsache, die für die Behauptung der Päpste, sie seien in Glaubensfragen immer unfehlbar gewesen, einigermaßen peinlich ist.
 
Aber wiederum, wie schon beim Ersten Konzil von Nicäa, war es ein juristischer Nebenvorgang, der den römischen Bischofssitz ins Spiel brachte. Das Konzil hatte nämlich bestimmt, daß der Bischof (Patriarch) der neuen Reichshauptstadt Konstantinopel nach dem römischen Bischof der zweithöchste aller christlichen Bischöfe sein solle. 
Wohlgemerkt: Das Konzil erkannte den Stuhl Petri zu Rom als den ehrwürdigsten aller Bischofsstühle an, gab aber dem konstantinopolitanischen Bischofssitz den Rang eines zweithöchsten. 
Aber schon das war dem Papst Damasus zuviel. Zwar erklärte er sich mit den dogmatischen Entscheidungen des Konzils einverstanden, bestritt aber ausdrücklich die Rechtsgültigkeit des Konzilsbeschlusses, wonach Konstantinopel zweithöchster Bischofssitz sein solle. 
Damasus war es auch, der zum erstenmal auf Rom den Ausdruck "Apostolischer Stuhl" anwandte. 
Er pochte darauf, daß der Primat der römischen Kirche auf den Auftrag zurückgehe, den der Apostel Petrus von Christus selbst empfangen habe, und daß sogar zwei Apostel, Petrus und Paulus, die römische Kirche gegründet hätten. 
Diese damals allgemein geglaubte Version machte auf die Konstantinopolitaner so viel Eindruck, daß sie, allerdings sehr viel später, behaupteten, ihre Kirche sei von dem Apostel Andreas, dem Bruder des Petrus, gegründet worden - von jenem Andreas, der laut Bibel den Petrus überhaupt erst zu Christus gebracht hatte. 
Das dritte Konzil fand im Jahre 431 in der kleinasiatischen Stadt Ephesos statt. 
Kaiser Theodosius II. hatte es einberufen, um einen Streit über die Natur Christi zu regeln. Die beiden Gegenspieler dieses Konzils waren der Patriarch von Konstantinopel, Nestorius, und der Patriarch von Alexandria, Cyrill. 
Beide waren hervorragende Gelehrte und eitle Dialektiker. 
Cyrill war ein leidenschaftlicher, geltungsbedürftiger Mann, der sich auf den Streit von Parteien, auf die höfische Intrige und die Kunst des Bestechens glänzend verstand.
Wiederum, wie schon bei den beiden ersten Konzilien, spielte der römische Bischof in der Auseinandersetzung über das dogmatische Kernproblem eine ausgesprochen klägliche Rolle - eine um so klügere aber wiederum in der Verteidigung seiner Rechtsposition als oberster Bischof. 
Cyrill hatte sich, um seine Partei zu verstärken, an Papst Coelestin I. gewandt. 
Er hatte einen Brief und andere Dokumente über Nestorius ins Lateinische übersetzt und dem Papst geschickt.
Coelestin antwortete mit einem theologischen Exkurs, nach dessen Lektüre Nestorius höhnte, der römische Bischof sei wohl zu "einfältig, um in die Wesenskraft der Dogmen mit feinerer Unterscheidungskunst einzudringen". 
Der Spott des gebildeten Theologen über den Papst mag freilich auch deswegen so scharf ausgefallen sein, weil Coelestin trotz seiner offenkundigen Einfalt verlangte, das Konzil solle sich bei seinen Beschlüssen auf "die Autorität Unseres Apostolischen Stuhls" berufen.
Coelestin tat aber noch ein weiteres, um seinen Primat zu betonen. 
Er versah seine nach Ephesos entsandten Legaten mit einer taktischen Anweisung, die von der politischen Begabung des Papstes glänzendes Zeugnis ablegt. Er wies sie an, sich an den dogmatischen Streitigkeiten nicht zu beteiligen; sondern über sie zu "richten".
Wie klug die Anweisungen Coelestins an Cyrill und, die Legaten gewesen waren, sollte sich auf dem Höhepunkt des Konzils erweisen. Die Lehre des Nestorius wurde verworfen und Nestorius durch Konzilsbeschluß abgesetzt, aber - was für Coelestin sicher äußerst wichtig war - dieser Beschluß gegen Nestorius wurde so formuliert, als ob der römische Bischof - dabei den Ausschlag gegeben hätte.
Die Konzilsväter beschlossen: "Gedrängt durch die Canones (Richtlinien) und gemäß dem Briefe unseres heiligsten Vaters und Mitdieners Coelestin, des römischen Bischofs, sind wir unter vielen Tränen zu diesem traurigen Urteil gegen ihn (Nestorius) gekommen ..."
Das war die Anerkennung des Primats des Papstes - obwohl, laut Nestorius, dieser Papst zu einfältig war zu verstehen, worum es ging. 
Freilich war das Konzil mit der Sentenz gegen Nestorius noch keineswegs zu Ende. Es erhob sich Widerspruch gegen das Urteil, es kam unter den Konzilsvätern zu Krawallen, und schließlich entschied Kaiser Theodosius - noch wahrscheinlicher: seine Schwester Pulcheria -, daß Cyrill den rechten Standpunkt vertreten habe. 
Schlimmer aber noch ging es auf einem Konzil zu, das- 449 in Ephesos stattfand, das aber von der katholischen wie von der griechisch-orthodoxen Kirche nicht als ökumenisches Konzil anerkannt wird.

Die Räuber Synode
Auf diesem Konzil kam es zu wüsten Tumulten, in deren Verlauf der Bischof von Alexandria, der Patriarch Dioskur, sich auf seinen theologischen Gegner, den Patriarchen Flavian von Konstantinopel, stürzte, ihn niederschlug und auf ihm herumtrampelte Mönche stürzten herbei und unterstützten den Ägypter bei seinen Mißhandlungen. Flavian erlag drei Tage später den erlittenen Verletzungen. Papst Leo der Große taufte dieses zweite Konzil von Ephesos auf den Namen "Räuber-Synode". 
Leo war Papst von 440 bis 461. Er war ein bedeutender Mann, ebenso begabt in juristischer wie in dogmatischer-Hinsicht. Die Bezeichnung "der Große" trägt er zu Recht.
Die Räuber-Synode von Ephesos mit ihren gewalttätigen Entscheidungen hatte zu einer Kirchenspaltung geführt. Zwei Jahre später (451) wurde deshalb ein neues Konzil einberufen - diesmal nach Chalkedon am Bosporus. Die Einberufer waren Kaiser Marcian und dessen Frau Pulcheria, die Schwester des verstorbenen Theodosius II. 
Leo entsandte nach Chalkedon fünf Legaten. Sie traten als Herren des Konzils auf. 
Sie verlangten, bei Abstimmungen als erste Votanten respektiert zu werden. 
Sie erklärten, daß alle Beschlüsse des Konzils null und nichtig seien, sofern sie nicht zustimmten. 
Kirchenpolitisch ging es in Chalkedon darum, die Einheit der Kirche wiederherzustellen und den gewalttätigen Patriarchen Dioskur von Alexandria zu verurteilen. Dogmatisch ging es um die zwei Naturen Christi. In beiden Fragen errang Leo glänzende Siege. 
Dioskur wurde abgesetzt und zwar in Worten, die dem Vorrang des römischen Bischofs vor allen anderen Bischöfen in geradezu überschwenglicher Weise: huldigten. "Deshalb", so heißt es in dem Konzilsbeschluß, "hat der heilige Erzbischof von Rom, Leo, durch uns und die gegenwärtige heiligste Synode in Gemeinschaft mit dem seligsten Apostel Petrus, welcher der Fels und die Stütze der katholischen Kirche und der Grundstein des ... Glaubens ist, diesen Dioskur des Bistums beraubt ..." 
 
Auf dogmatischem Gebiet war der Sieg Leos nicht weniger eindrucksvoll. Ein von ihm verfaßter Lehr-Brief wurde vom Konzil, freilich nach langwierigen Auseinandersetzungen, als eine Grundlage des christlichen Glaubensbekenntnisses anerkannt. 
Indes, trotz dieser Erfolge mußte Leo schließlich doch noch eine Niederlage einstecken: 
Das Konzil bestimmte im 28. Kanon (Kirchengesetz), daß der Bischofssitz Konstantinopel fortan die "gleichen Vorrechte" genießen sollte wie der römische Stuhl. Insbesondere wurde dem konstantinopolitanischen Patriarchen das Recht zugesprochen, gewisse Bischöfe im Ostteil des Reiches in ihr Amt einzuführen und zu weihen. 
Die Erhöhung des Patriarchen von Konstantinopel hatte politische Hintergründe. Das weströmische Kaiserreich ging damals seinem Ende entgegen. Zwar residierten in Ravenna immer noch weströmische Kaiser, aber der Totentanz gemeuchelter und gestürzter Throninhaber wurde immer hektischer. Germanische Offiziere und Verwaltungsbeamte waren die wahren Herren des Landes.
Dazu wuchs die Bedrohung von außen. 410 (also rund 40 Jahre vor dem Konzil von Chalkedon) hatte der Westgote Alarich Rom erobert und geplündert. Zur Zeit von Chalkedon begann das barbarische Reitervolk der Hunnen nach Westeuropa und Italien einzudringen. Im Jahre 451 wurden sie auf den Katalaunischen Feldern geschlagen. Doch schon 455 - vier Jahre später - fielen die Vandalen in Italien ein, eroberten Rom und plünderten es. 
Spanien und Nordafrika waren längst an arianische Germanen verlorengegangen. Das Ende des weströmischen Reiches, das dann 476 mit der Abdankung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus kommen sollte, zeichnete sich ab. 
Es war klar, daß Ostrom angesichts des desolaten Zustandes im Westen den Plan faßte, die Zentrale der christlichen Kirche an sich zu ziehen. Das war denn auch der Sinn der Rangerhöhung des Patriarchen von Konstantinopel, und dagegen halfen auch nicht die Proteste des verzweifelt um die Würde Westroms ringenden großen Leo.

Das kirchen und staatspolitische Konzept des großen Konstantin hatte auf der Vorstellung beruht, daß der oströmische Kaiser Alleinherrscher im ganzen Reich sein sollte. Die Kirche sollte ihm als Werkzeug für den geistigen Zusammenhalt des Reiches dienen und dafür durch ihn beschützt werden. 

Indes, schon nach Konstantins Tod (337) zerfiel das Imperium wieder in mehrere Teile: zunächst in drei und später in zwei, nämlich Ostrom und Westrom. Zwar nahm der oströmische Kaiser in der Kirchenpolitik eine Vorrangstellung ein, aber die Grundlage des konstantinischen Konzepts, die weltumfassende Macht des Kaisertums, begann doch langsam zu zerbröckeln und zwar zunächst im Westen. 
Schon während der Zeit, da in Mailand und Ravenna noch weströmische Kaiser regierten, hatte der römische Bischof gegenüber dem oströmischen Kaiser stets eine dreistere Sprache sprechen können, als es das griechische Christentum des Ostens angesichts der Präsenz staatlicher Gewalt vermochte. Die römischen Bischöfe waren auch vorsichtig genug gewesen, niemals persönlich auf den in Kleinasien stattfindenden Konzilien zu erscheinen. 
So blieben sie für den Griff der oströmischen Staatspolizei nahezu unerreichbar und ließen sich auch nicht allzu tief in die theologischen Parteien Konflikte der Kirchenversammlungen verstricken. 
Noch deutlicher trat dieser Vorteil zutage, als 476 das weströmische Kaisertum endgültig zusammenbrach und durch labile germanische Nachfolgestaaten ersetzt wurde, die miteinander rivalisierten. Im Westen entstand so ein Macht-Vakuum, in dem sich die geistige Autorität des Papstes, seine Opposition gegen die Führerrolle des oströmischen Kaisertums, nun immer mutiger entfalten konnte, zumal andererseits die Kämpfe der West- und Ostgoten, der Langobarden und Franken untereinander zunächst verhinderten, daß sich im Westen eine neue Zentralmacht herausbildete. 
Schon Leo der Große, der Hunnen und Vandalen Sturm erlebte, hatte in geradezu hochfahrender Art den oströmischen Kaiser daran gemahnt, daß ihm die kaiserliche Gewalt nicht nur zur Regierung der Welt "anvertraut" worden sei, sondern auch zum Schutz der Kirche. In diesem Brief gewitterte bereits der spätere Anspruch der römischen Bischöfe, daß sie als die Stellvertreter Christi auf Erden das Recht besäßen, weltliche Gewalt im Namen Gottes zu vergeben und zurückzunehmen. 
Dem Anspruch des oströmischen Kaisertums auf Führung der Kirche stellte der römische Bischof also nunmehr den Anspruch gegenüber, er, der Papst, sei die oberste Instanz und das Kaisertum nur sein Söldner. 
Noch deutlicher sprach Papst Gelasius (492 bis 496) den Anspruch aus: Die kaiserliche Gewalt sei ein göttliches Geschenk und ein Benefizium, über dessen Verwaltung aber die Päpste vor dem göttlichen Gericht Rechenschaft abzulegen hätten. Deshalb habe der Kaiser nur die Beschlüsse auszuführen, die von der Autorität des Apostolischen Stuhles verordnet werden. 
Allerdings erlebte das Papsttum auf diesem Weg auch bittere Rückschläge. In der Mitte des sechsten Jahrhunderts unter der Herrschaft des Kaisers Justinian I., befreiten die beiden oströmischen Generäle Belisar und Narses Italien von den Ostgoten, deren letzter König, Teja, 553 am Vesuv geschlagen und getötet wurde. 
Damit war die Macht des Kaisertums in Italien, wenn auch nur für kurze Zeit, wiederhergestellt. Die römischen Bischöfe sollten das spüren. 
Noch im Jahre des Sieges über Teja veranstaltete Justinian in Konstantinopel ein Konzil (das zweite in Konstantinopel, das fünfte in der Reihe der ökumenischen Konzilien). 
Papst Vigilius wurde mit Gewalt nach Konstantinopel geholt und dort unter Drohungen zur Anerkennung von Konzilsentscheidungen gezwungen, die später von den Bischöfen der römischen Kirche zurückgewiesen wurden. 
Die Haltung des Vigilius war immerhin verzeihlich, weil sie durch Gewalt erzwungen worden war. 
Diese Entschuldigung fehlt dem Papst Honorius I., der in die Ketzerei des sogenannten Monotheletismus verfiel.
 
Der Hintergrund dieses Vorganges war folgender: Das oströmische Reich wurde in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts von den Persern bedroht. Nun gab es aber unter der Bevölkerung Ostroms immer noch christliche Sekten, die der Lehre von den zwei Naturen Christi ablehnend gegenüberstanden. Man nannte sie "Monophysiten", das heißt: Anhänger der Lehre von der einen Natur (des Christus).
Diese Monophysiten neigten dazu, mit den persischen Reichsfeinden zu fraternisieren. Um dieser Gefahr zu begegnen, erließ Kaiser Heraklius (610 bis 641) ein Religionsedikt, in dem er den Monophysiten ein wenig entgegenkam und bestimmte, daß Christus zwar zwei Naturen, aber nur einen Willen habe (Monotheletismus). 
 
Papst Honorius I. ließ sich dazu bewegen, diese Lehre anzuerkennen, obwohl sie dem christlichen Glaubensbekenntnis widersprach. 
Der Fall des häretischen Papstes Honorius sollte rund 1250 Jahre später eine bedeutungsvolle Rolle spielen: Auf dem Ersten Vatikanum 1869/70 verwiesen die Gegner der päpstlichen Unfehlbarkeit darauf, daß Honorius Häretiker gewesen sei - also geirrt habe. Der deutsche Bischof Hefele verfaßte eine Honorius-Schrift, und die Anhänger der Unfehlbarkeit hatten große Mühe, das Prinzip der Untrüglichkeit der römischen Bischöfe zu verteidigen, zumal Papst Honorius auf dem sechsten ökumenischen Konzil in Konstantinopel (680/681) postum ausdrücklich als Vertreter einer häretischen Lehre angeprangert worden war.
Der politische Hintergrund des dogmatischen Streites um den Monotheletismus war die äußere Bedrohung Ostroms durch das persische Sassanidenreich und die neue, noch viel größere Gefahr des Islam.
Seit dem Jahre 610 hatte ein Kaufmannssohn namens Mohammed in der Stadt Mekka auf der arabischen Halbinsel die Bevölkerung aufgerufen, die Welt für einen neuen Gott zu gewinnen. Der Aufruf hatte, nachdem Mohammed aus dem ungastlichen Mekka nach Medina gezogen war, ungeheuren Erfolg. Aus der arabischen Wüste erhob sich ein Reitersturm, der über Vorderasien, Afrika und Spanien hinwegfegte und bis tief nach Frankreich hineinbranden sollte.
Im Jahre 637 fiel der alte christliche Patriarchensitz Antiochia in Syrien den Mohammedanern zum Opfer. Im gleichen Jahr mußte die Heilige Stadt Jerusalem den Ungläubigen überlassen werden, und 641 wehte die Fahne des Islam auch über Alexandria, der jahrhundertealten Hochburg griechischer Philosophie und christlicher Theologie.
Von da an hatten die oströmischen Kaiser alle Hände voll zu tun, um sich der immer wieder anbrandenden arabischen Stürme zu erwehren. Die römischen Bischöfe bekamen - und das war die Kehrseite des Vorgangs - wieder Luft. Zwar regierte in Ravenna immer noch ein oströmischer Gouverneur (Exarch), dem auch Rom unterstand, aber auch der hatte immer mehr Mühe, sein Gouvernement gegen die in Norditalien heimisch gewordenen germanischen Langobarden zu halten.
Auf jeden Fall: Die römischen Bischöfe konnten wieder gegenüber dem' Kaiser auftrumpfen und den Führungsanspruch erneuern, den einst die Päpste Leo der Große und Gelasius erhoben hatten.
Ende des siebten Jahrhunderts waren die Araber bis an die Mauern von Konstantinopel vorgedrungen. Kaiser Leo III., genannt "der Isaurier", warf sie zunächst zurück. Gleichwohl hatte der Kaiser beobachtet, daß die neue Religion des Islam unter der kleinasiatischen Bevölkerung nicht ohne Eindruck geblieben war.


Um diese, mit den Arabern fraternisierende Strömung abzufangen...

Die moslemischen Araber waren genau wie die Juden Gegner bildlicher Darstellungen Gottes. Allah, so lehrten sie, sei so hoch über alles Weltliche erhaben, daß man ihn nicht abbilden könne. Genau das gleiche hatte einst der jüdische Führer Moses gelehrt.

Vielen Kleinasiaten leuchtete dieser Standpunkt ein, und Kaiser Leo beschloß - um diese, mit den Arabern fraternisierende Strömung abzufangen -, auch die christliche Bilderverehrung zu verbieten. In den Kirchen KonstantinopeLs und des oströmischen Reiches wurden daraufhin alle frommen Bilder vernichtet. Der "Ikonoklasmus" (Bilderstürmerei) wurde in Ostrom zum Bestandteil der christlichen Staatsreligion
- nicht jedoch im Westen.
Papst Gregor II. schrieb dem bilderstürmenden Isaurier einen Brief, dessen Ton die Unabhängigkeit des römischen Bischofs deutlicher denn je unterstrich. 
"Es ist bedauerlich", tadelte er den Kaiser, "daß, während Wilde und Barbaren Kultur angenommen haben, Du, ein kulturell hochstehender Mensch, Dich auf die Stufe der Barbaren erniedrigt hast." 
Gregor drohte dem Kaiser schließlich mit Gewalt, falls die kaiserliche Polizei versuchen sollte, auch die Bilder im Westen zu vernichten. 

Der Kaiser machte denn auch keinen derartigen Versuch, und schließlich gab das oströmische Kaisertum im Bilderstreit nach. 
787 berief die Kaiserin Irene nach Nicäa ein Konzil ein, das den Ikonoklasmus verbot. (Es war das Zweite Konzil von Nicäa und das siebente ökumenische Konzil). 
Die Einheit der christlichen Kirche ging nun ihrem Ende entgegen. 
Die politischen Bedingungen in Ost und West begannen so unterschiedlich zu werden, daß schließlich auch der dogmatische Zusammenhalt der Christen diesem Gegensatz nicht mehr standzuhalten vermochte. Äußerlich ging es nunmehr fast nur noch um den Rangstreit zwischen dem römischen Bischof und dem "ökumenischen Patriarchen" von Konstantinopel. 
Auf dem Vierten Konzil von Konstantinopel 869/870 (dem achten und letzten des ersten Jahrtausends nach Christus) wurde der Rang des Patriarchen von Konstantinopel als zweithöchster Bischof endgültig anerkannt, auch von Papst Hadrian II.
 
Trotzdem schmorte der Neid zwischen den beiden Bischofsstühlen weiter und führte schließlich zur endgültigen Trennung der Ost und Westkirche: zum ersten Großen Schisma.
Im Jahre 1054 erschien eine Gesandtschaft des Papstes in Konstantinopel, um wieder einmal über den Rangstreit zu verhandeln. Doch es scheint, als ob Papst Leo IX. im Ernst schon gar nicht mehr an einer Einigung interessiert gewesen sei.
Seine Abgesandten traten mit einem Hochmut auf, der jede Einigung von vornherein ausschloß. Ein Legat, der Kardinal Humbert, verhöhnte die Griechen, indem er behauptete, sie lehrten, es sei für einen Mönch besser, Unzucht zu treiben, statt Beinkleider zu tragen. Er spottete über die Priesterehe: Es sei einer der Vorzüge der Griechen, daß bei ihnen "ein Neuverheirateter vom Ehebett frischweg an den Altar trete, noch ganz erschöpft von Fleischeslust".
Als daraufhin der Patriarch von Konstantinopel den Verkehr mit Humbert ablehnte, erschien dieser am 16. Juli 1054 während eines feierlichen Hochamtes in der Hagia Sophia, der riesigen Kuppelkirche, die heute nur noch ein bauliches Museumsstück ist, und legte dort eine päpstliche Bannbulle gegen den Patriarchen auf den Altar. Das war das Ende der Einheit der christlichen Kirche.
Dieses Ende bestätigte freilich nur, was damals schon seit rund drei Jahrhunderten praktische Wirklichkeit war. 
Bereits in der Mitte des achten Jahrhunderts hatte der Langobardenkönig Aistulf den oströmischen Gouverneur aus Ravenna vertrieben. Damit war die Macht des Kaisers in Italien endgültig gebrochen. Der alte Westen des römischen Imperiums ging nun seine eigenen Wege. Auch der Papst mußte sich auf diese Tatsache einrichten, und er tat es mit Entschlossenheit und Klugheit. 
Die Errichtung eines langobardischen Königtums in Italien entsprach keineswegs den Interessen des Papsttums. Die Gefahr, daß der römische Bischof und mit ihm das europäische Christentum zu bloßen Werkzeugen langobardischer Nationalinteressen herabsinken würden, war mit Händen zu greifen.
Anfang 754 reiste Papst Stephan II. deshalb ins Frankenreich, um dort mit dem fränkischen König Pippin, genannt der Kleine, zusammenzutreffen. 
Wahrscheinlich unterbreitete Stephan dem Frankenherrscher bei dieser Gelegenheit ein Dokument, das als eine der folgenreichsten Fälschungen in die Weltgeschichte eingehen sollte: die sogenannte Konstantinische Schenkung. 
Man weiß bis heute nicht genau, wann und von wem die Fälschung vorgenommen ist, und zahlreiche Kirchenhistoriker, wie der jetzige Erzbischof von Paderborn, Lorenz Jäger, und der Franzose Elie Griffe sind bemüht, das Papsttum von dem Vorwurf, es habe die Fälschung veranlaßt, reinzuwaschen. Einer der bedeutendsten lebenden Kirchenhistoriker jedoch, der katholische Professor Walter Ullmann in Cambridge, meint, es könne keinen Zweifel daran geben, daß die Fälschung in der päpstlichen Kanzlei selbst angefertigt worden sei. Das stimmt auch mit der Auffassung der meisten deutschen Historiker überein. 
Das gefälschte Dokument handelt von der Bekehrung Konstantins des Großen zum Christentum und davon, daß - angeblich - der bekehrte Kaiser dem römischen Bischof alle kaiserliche Macht im Westen des römischen Imperiums übertragen habe. 
Konstantin habe bestimmt, behauptet das Dokument, daß fortan die Stadt Rom und alle römischen Provinzen im Abendland einschließlich aller Inseln dem römischen Bischof untertan sein sollten, habe auch verkündet, daß er fürderhin nicht in Rom bleiben werde, weil es ihm nicht gestattet sei, an dem Ort zu regieren, wo der Nachfolger Petri herrsche.
Indes, das waren Auslegungskünste einer späteren Zeit. Papst Stephan ging es, als er 754 mit Pippin zusammentraf, jedenfalls zunächst um weniger: Die Fälschung sollte ihm als Beweis dafür dienen, daß - nachdem die Langobarden den kaiserlichen Gouverneur aus dem Gebiet von Ravenna und Rom verjagt hatten er, der Papst, Anspruch auf dieses Gebiet habe, nicht jedoch die Langobarden.
Dem fränkischen König konnte das Dokument - ob falsch oder echt - nur recht sein, entwertete es doch den immer noch bestehenden formalrechtlichen Anspruch der byzantinischen Kaiser auf Oberherrschaft in Europa, und bot es doch einen Vorwand, den Langobarden entgegenzutreten.
Pippin war deswegen auch bereit, dem Papst zu helfen.
Er vermachte der Kirche die ehemals kaiserlichen Gebiete von Ravenna, die Pentapolis und Rom (754). Das war die sogenannte Pippinsche Schenkung. Endgültig wahr machte Pippin diese Schenkung allerdings erst zwei Jahre später, als er 756 die Langobarden durch einen Feldzug zur Kapitulation zwang. Erst König Viktor Emanuel I. von Italien machte 1870 dem Kirchenstaat und damit der Schenkung des Frankenkönigs Pippin ein Ende.
Die Pippinsche Schenkung mit ihren nicht immer ganz lauteren Umständen war der Anfang des Bündnisses zwischen Papsttum und fränkisch-deutschem Kaisertum, dessen innereKämpfe die politische Geschichte des europäischen Mittelalters bestimmten. 
Am Weihnachtsabend des Jahres 800 krönte Papst Leo III. den Frankenkönig Karl, Sohn des Pippin, zum Kaiser; Hatte die Kirche bis dahin in Gestalt des oströmischen Kaisertums einen Beschützer besessen, dessen Rolle meistens in die eines Beherrschers hinüberspielte, so hatte die römische Kirche sich nun einen neuen Beschützer gewählt, das germanisch-deutsche Kaisertum und es kam zwischen den beiden Partnern dieses Arrangements zu Auseinandersetzungen, die in vielem dem Streit ähnelten, der in der Zeit zwischen dem Ersten Konzil von Nicäa (325) und dem Vierten Konzil von Konstantinopel (869/870) ausgefochten worden war.
Welches war die Kernfrage, die dogmatische und politische Kernfrage gewesen, um die es bei den Konzilien des ersten Jahrtausends gegangen war? Die bedeutendste Leistung dieser Konzilien war die Formulierung der Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit gewesen, insbesondere aber die Feststellung, daß Christus zwei Naturen habe, Gott und zugleich Mensch sei. 
Was sollte mit dieser dogmatischen Feststellung gesagt werden? 
Letztlich proklamierte das Christentum mit dieser Lehre, daß sein Programm: Liebe, Gerechtigkeit, Friede, zwar göttlicher Herkunft, aber doch für Menschen gemacht sei. Zwar werde die Verwirklichung dieses Programms immer wieder an den Mängeln der menschlichen Natur, also an der "Erbsünde", scheitern, andererseits aber sei der Mensch verpflichtet und befähigt, ständig um die Durchsetzung des Programms zu kämpfen. Die Position, von der aus er diesen Kampf führte, sollte die Kirche des Gott-Menschen Christus sein.
Die dogmatischen Kämpfe der ersten Konzilien waren also keineswegs nur theologisches Schattenboxen gewesen. Es ging um sehr reale Dinge. Die Kirche erhob Anspruch auf die geistige Führung der Menschheit.
Dieser Anspruch, auch vertreten vom römischen Bischof, war ein Inhalt der Auseinandersetzungen zwischen der Kirche und dem oströmischen Kaisertum gewesen, er blieb es auch in den Auseinandersetzungen zwischen Papsttum und germanisch-deutschem Kaisertum. 
"Es war eben", schreibt der Cambridger Kirchenhistoriker Ullmann,
"der päpstliche Standpunkt, daß in einer christlichen Gesellschaft jede menschliche Handlung einen wesenhaft religiösen Bestandteil aufweisen soll ... Der Mensch ebenso wie die Gesellschaft selbst wurden als Ganzes betrachtet und nicht atomisiert und- zerspalten. Es ist diese ,Ganzheitsphilosophie', die den Hierokratismus (geistlichen Herrschaftsanspruch) wirklich verständlich macht und ihm jedweden Makel nimmt." 
Als Papst Leo III. am Weihnachtsabend 800, Karl dem Großen die Kaiserkrone aufsetzte, wollte er bekunden, daß es das Papsttum ist, das die weltliche Gewalt einsetzt und abzusetzen berechtigt ist, daß die Kirche des Gott-Menschen Christus, geführt von dem Nachfolger des Apostels Petrus, dem römischen Bischof, die oberste Instanz in der Welt sei.
Kaiser Karl hatte das sehr wohl verstanden. 
13 Jahre später, am 18. September 813, setzte sich sein Sohn Ludwig im Aachener Münster die Kaiserkrone selbst aufs Haupt. 
Kaiser Karl saß dabei. 
Er selbst hatte diese Zeremonie festgelegt, zum Zeichen, daß das fränkische Kaisertum nicht im Auftrage des römischen Bischofs, sondern aus eigenem Recht bestehe.
Der Kampf zwischen dem Papsttum und dem fränkisch-deutschen Kaisertum hatte begonnen. 

Quelle: DER SPIEGEL 1962



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