Die Bußgesinnung hat für das christliche Leben die größte Bedeutung! Warum so viele Beichten wertlos sind






Über das Heilige Sakrament der Buße!

Heute muss die katholische Wahrheit eingeschärft werden. Sie liegt in der Mitte der zwei genannten Irrtümer: Die Menschennatur ist weder ganz gut noch ganz schlecht. 

Sie trägt Unordnungen, Folgen der Erbsünde, in sich, denen der Mensch aber widerstehen kann und muss. Tut er es nicht, so sündigt er, und die Sünde ist seine freie böse Tat. Sie muss der Mensch bereuen, für sie muss er Sühne leisten; sie nicht mehr zu begehen, das muss er sich ernstlich vornehmen: d. h. der Mensch muss Bußgesinnung haben...[mehr]. 

Diese katholischen Lehren, ja schon die ehrwürdigen Namen Buße und Sühne »hochzuhalten, sie in ihrer wahren Bedeutung, in ihrem ursprünglichen Adel und mehr noch in ihrer unerlässlichen Anwendung auf das christliche Leben zu erhalten, dazu drängt Uns die oberhirtliche Amtspflicht, sagt Pius XI.; das fordert von Uns die Verteidigung Gottes und der Religion, deren Vorkämpfer Wir sind. Ist doch die Buße ihrem Wesen nach eine Anerkennung und Wiederaufrichtung der sittlichen Weltordnung, die auf dem ewigen Gesetz, also dem lebendigen Gott selbst gründet.« 

Die Tugend ist ein bleibender Zustand. Die Bußgesinnung muss daher im Christen eine bleibende Seelenhaltung sein das ganze Leben lang. Nicht nur wenn er das Bußsakrament empfängt (beichtet), soll er diese Gesinnung üben oder einen Akt der Reue erwecken, sondern durch oftmalige Erwägungen und Affekte soll sie in seinem Herzen sich festwurzeln und gepflegt werden. 
Dann bringt sie reiche und süße Früchte: 
Die Bußgesinnung hat für das christliche Leben die größte Bedeutung. 


Warum so viele Beichten der Christen wertlos sind!

Auch für den Empfang des Bußsakramentes: in der Mangelhaftigkeit dieser Gesinnung liegt der Hauptgrund, warum so viele Beichten der Christen wertlos sind oder wenigstens nicht die vom Herrn beabsichtigten reichen Früchte der Heiligung bringen. Wenn wir ferner bedenken, dass das Bußsakrament wie die Taufe nicht nur wirklich (re), sondern auch geistiger Weise oder dem Wunsche nach (voto) empfangen werden kann, tritt die Bedeutung der Tugend der Buße in neues Licht. Denn der geistige Empfang des Bußsakramentes besteht ja gerade in der Übung der vollkommenen Bußgesinnung. - Aus diesen Gründen behandelt das Religionsbuch der Kirche die Bußgesinnung an erster Stelle und sehr ausführlich; und wir Diener der Kirche sollten, ihrer Weisung folgend, das christliche Volk ernstlich mahnen, sich eifrig und nachhaltig um diese kostbare Tugend zu bemühen.

Ein größeres Übel als alles Weltunglück ist die Verletzung der göttlichen Ehre, die Beleidigung Gottes, in der das eigentliche Wesen der Sünde und der Urgrund ihrer furchtbaren Wirkungen in Zeit und Ewigkeit liegt. 

Auch dieses allergrößte Übel zu beseitigen ist die wahre Bußgesinnung imstande. Durch die Sünde ist Gott Ehre geraubt worden; dieser Ihm zugefügte Schaden (das fordert die Gerechtigkeit) muss wieder gut gemacht, es muss Gott Satisfaktion, Genugtuung, geleistet werden. Das tut aber die Bußgesinnung. Durch die Buße wird daher die beleidigte göttliche Majestät versöhnt. - Endlich drittens wird durch die Buße nicht nur das Übel der Sünde vollkommen hinausgeworfen, sondern an dessen Stelle tritt das höchste und herrlichste aller geschaffenen Güter: die Gnade, die Freundschaft und Kindschaft Gottes. »Durch die Buße sucht der Mensch wieder in Gnade zu kommen bei Gott.« Gott nimmt den reuigen Büßer auch tatsächlich in Gnaden auf, wie in der Parabel der Vater den verlornen Sohn; Er setzt ihn wieder ein in alle Rechte eines Kindes; Er liebt ihn wie sein Kind; Er sorgt für ihn väterlich und gibt ihm Anteil am Erbe seines eingebornen göttlichen Sohnes. Das hat Er selbst versprochen: »Wenn der Gottlose Buße tut von allen seinen Sünden, die er getan, und alle meine Gebote hält und Gerechtigkeit übt, so soll er das Leben haben,« (Ez 18, 21) das übernatürliche Leben der Gnade und Kindschaft Gottes.
O wie groß ist diese heilige Tugend: »sie muss in der Tat als eine göttliche, himmlische Tugend gewertet werden! Verheißt ihr doch die Heilige Schrift geradezu das Himmelreich. Denn beim hl. Matthäus steht geschrieben; ,Tut Buße, denn das Himmelreich hat sich genaht' (Mt 4, 17) und bei Ezechiel ,Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich von seinem Weg bekehre und lebe' , (Ez 33, 11) Worte, die sicher vom ewigen seligen Leben verstanden werden müssen.« Mit welchem Eifer sollte darum jeder Christ nach dieser edlen Gesinnung verlangen, wie sollte er sich Mühe geben, sie zu erringen, mit tiefem Abscheu und Reueschmerz über die Sünden sein Herz zu erfüllen und mit brennendem Verlangen, sie zu sühnen ! (Der wahren Bußgesinnung werden diese Wirkungen zugeschrieben, weil sie notwendig auch das votum, den Willen zum Sakrament enthält, und seinerzeit zum wirklichen Empfang des Bußsakramentes führt.)


»Die Tugend der Buße haben wir dann, wenn wir uns aus Herzensgrund zu Gott bekehren«, 
sagt das Religionsbuch. Bekehrung besagt zweierlei: 
Abkehr von der Sünde, und Hinkehr oder Rückkehr zu Gott. 

Der wahre Büßer kehrt sich von der Sünde ab nicht nur seiner selbst willen, weil die Sünde ihn unglücklich macht; das wäre noch nicht wahre Buße. 
Sondern um Gottes willen, dessen Strafen er verdient, dessen Drohungen und Verheißungen er gering geschätzt, dessen Güte und Liebe er verletzt, dessen Kind zu sein er aufgehört hat, und dessen Feind er geworden ist. 
So wird die Abkehr von der Sünde von selbst Heimkehr zu Gott. 

Und beides muss geschehen »aus Herzensgrund«, nicht nur äußerlich sondern innerlich, nicht nur zum Schein, sondern mit tiefem Ernst. Die wahre Bußgesinnung oder die Bekehrung schließt also in sich:

1. wahre Reue, Seelenschmerz über die begangenen Beleidigungen Gottes. 
Wer sich mit Hass und Abscheu von der Sünde abkehrt, dessen Herz muss beim Blick auf die Vergangenheit notwendig von Reue bewegt sein über sein böses Tun.

2. ernsten Vorsatz, nicht mehr zu sündigen. 
Der Christ, der sich von der Sünde ernstlich abwendet, muss beim Blick in die Zukunft entschlossen sein, vor diesem großen und einzigen ÜbeI auf der Hut zu sein, daher mit aller Kraft den Reizungen und Versuchungen zur Sünde zu widerstehen, und so »die sittliche Verderbnis in sich zu bessern«.

3. dazu kommt notwendig noch »die feste Hoffnung, von Gott Barmherzigkeit und Verzeihung zu erlangen«. 
Ohne die sichere Hoffnung, von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes das trostvolle Wort zu hören »Deine Sünden sind dir vergeben, gehe hin in Frieden«, wäre die Heimkehr zu Gott unmöglich. Durch die wahre Buße wird ausgeschlossen sowohl der verzweifelte, hoffnungslose Reueschmerz, wie er bei Kain und Judas auftritt, als auch das vermessene Vertrauen, das von Gott Barmherzigkeit und Verzeihung erwartet ohne ernstliche innere Abkehr von der Sünde.
»Heimkehr des Sünders zu Gott«, Rückkehr des verlornen Sohnes in das Vaterhaus ist die Tugend der Buße. Liegt nicht in diesem Gedanken überaus viel Schönes und Tröstliches?

Quelle: Zum Religionsbuch der Kirche, Erklärungen, Erstes Bändchen, Über das Hl. Sakrament der Buße, herausgegeben von Dr. Michael Gatterer SJ, Druck und Verlag Felizian Rauch Innsbruck-Leipzig 1932; Imprimatur Nr. 4509. Die Stellen unter Anführungszeichen ohne Angabe der Quelle sind wörtlich dem »Religionsbuch« (Catechismus Romanus - II. Teil: Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament. - Mit Überschriften) entnommen. Abkürzungen: CT = Concilium Tridentinum; cp = caput; cn = canon des ConziIs. CIC = Codex Iuris canonici. Zwei Anpassungen an das aktuelle päpstliche Lehramt)


Indem der Priester die Absolutionsformel spricht, wird der Einzelne mit Gott versöhnt. 
Um eine gute Beichte abzulegen, braucht es die Gewissenserforschung, die Reue über die begangenen Sünden, natürlich auch der gute Vorsatz, das Sündenbekenntnis und die Buße.

Für die Gewissenserforschung, die man wenigstens am Abend bevor man zu Bett geht mache sollte (St. Ignatius von Loyola empfiehlt zwei mal am Tag das Gewissen zu erforschen, zur Mittagszeit und am Abend), sollte man andächtig beten und den heiligen Geist bitten einem zu helfen, die Sünden die man, seit der letzten gültig abgelegten Beichte begangen hat, in Erinnerung zu rufen. Hierbei handelt es sich um Sünden, die man in Gedanken, Worten und Werken, durch Unterlassung gegen die Gebote Gottes, gegen die Vorschriften der Kirche und gegen die Pflichten des eigenen Standes begangen hat.
Die Reue ist jenes Missfallen an den begangenen Sünden und jene Abscheu vor ihnen, die bewirken, dass wir uns vornehmen, nicht mehr zu sündigen. Es gibt die vollkommene Reue oder Liebesreue und die unvollkommene oder Furchtreue.

Custos-Sancto Blog


DIE REUE!
(N. 23-35; S. 164-175)
Obgleich die Reue schon bei der Tugend der Buße besprochen wurde, behandelt sie das Religionsbuch noch eigens und zwar in ausführlicher Weise. Warum? Weil sie das Notwendigste ist beim Bußsakrament, und weil sie ein Tugendakt ist, der immer Gottes Wohlgefallen gewinnt: »Almosen geben, Fasten, Beten und ähnliche heilige Werke können nicht selten durch Schuld jener, die sie verrichten, bei Gott keine Aufnahme finden; die Reue aber, die innere Zerknirschung ist Ihm sicher zu jeder Zeit angenehm und wohlgefällig; denn so spricht der Prophet: ,Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verschmähen« (Ps 50, 19 ). Darum soll der Christ die Reuegesinnung so tief und lebendig in der Seele tragen, dass sie sich sofort regt, wenn er eine Sünde begeht oder seiner begangenen Sünden gedenkt.
Das Religionsbuch will daher, dass der Priester oft und eindringlich über die Reue spreche; zunächst über den

1. Begriff der Reue
(N. 23-27; S. 164-169)
Nachdem das Religionsbuch früher eine andere Erklärung gegeben (oben S. 6 f), legt es jetzt die Begriffsbestimmung des Konzils von Trient vor. »Die Reue, so lehrt da die Kirche, ist ein Schmerz und Missfallen der Seele über die begangenen Sünden, verbunden mit dem Vorsatz, in Zukunft nicht mehr zu sündigen« (CT XIV cp 4).
1. Schmerz und Missfallen (dolor ac detestatio) über die begangenen Sünden muss da sein. Also nicht jeder, der einfach zu sündigen aufhört, hat darum schon Reue. Man kann von der Sünde lassen, weil man kein Vergnügen mehr findet, oder sie überhaupt nicht mehr begehen kann. Wenn die sündige Seele nicht Trauer und Schmerz empfindet, wenn sie sich nicht mit Widerwillen von der Sünde abwendet, ist keine wahre Reue vorhanden. Worin besteht also das Wesen der Reue? In zwei Elementen. Erstens im Missfallen, im Hass oder Abscheu vor der Sünde, in der inneren Abkehr von ihr, wie früher ausgeführt wurde. Zweitens in der Trauer oder im geistigen Schmerz, der notwendig entsteht beim Gedanken, dieses Hassenswerte getan zu haben. Wenn dem Sünder seine Sünde missfällt, wird er notwendig sagen: »Es ist mir leid, das getan zu haben.« In diesem geistigen Schmerz, in dieser Trauer des Willens besteht eigentlich das Wesen der Reue.
Sinnlich wahrnehmbarer Schmerz ist nicht wesentlich: er ist nach dem hl. Augustin »nur ein Begleiter, ein Gefährte der Reue, nicht die Reue selbst.« Man ist und bleibt wesentlich derselbe, wenn man auch seinen Gefährten oder Begleiter nicht bei sich oder verloren hat. Gewiss, wenn die Reue sehr tief und stark ist, wird sich ihr Begleiter, der in Erschütterung des Herzens und Tränen sich äußernde Schmerz, meist von selbst einstellen. Und um tiefen, starken Schmerz, um glühenden Hass gegen die Sünde sollten wir eifrig Gott bitten: so dass wir mit demselben Reuegefühl das Miserere beten, mit dem es geschrieben ist; und dass wir mit Petrus und Magdalena die Sünden beweinen und mit den Schriftworten sprechen: »Erschöpft bin ich von meinem Seufzen, die ganze Nacht netz' ich mit meinen Tränen mein Lager; der Herr hat mein lautes Weinen gehört«(Ps 6, 7. 9); oder »All meine Jahre will ich vor dir überdenken in bitterer Betrübnis meiner Seele« (Is 38, 15). Mitunter kann allerdings die Reue ohne fühlbaren Schmerz tiefer und ernster sein als die von Tränen und Seufzen begleitete. Das zeigt sich, wenn eine Versuchung herantritt: da kann das früher in Tränen gebadete Menschenkind schwach werden, während der andere Christ fest und stark bleibt.
2. Auf kostbare Wirkungen wahrer Reue weist die Kirche hin durch die Namen Contritio und Compunctio, womit sie die Reue bezeichnet. Der gewöhnliche Name ist Contritio, Zerschlagung, Zerknirschung. Der Ausdruck ist bildlich, von körperlichen Dingen genommen, die in ganz kleine Stücke zerschlagen oder zerstoßen werden. So wird durch die Gewalt der Reue der durch die Sünde hart gewordene Menschenwille mürbe, das Menschenherz wird gleichsam zerschlagen, der hochmütige Menschengeist wird klein und demütig. Jeder, der einmal ernstlich Exerzitien gemacht und die Wahrheiten über die Sünde auf sich hat wirken lassen, konnte das erfahren. O welch kostbare Wirkung der Reue! Auf eine andere deutet das Wort Compunclio cordis hin: Zerstechung oder Zerschneidung des Herzens. Wie man eine Geschwulst durch Schneiden oder Stechen (Punction) öffnet, damit der darin enthaltene Eiter ausfließt, so wird das Herz durch die Reue wie mit einem Wundmesser zerschnitten, damit das tödliche Gift der Sünde und Schlechtigkeit ausfließen kann. Mit andern Worten: die Reue reinigt und läutert die Seele.


2. Das Maß der Reue
(N. 27-31; S. 167-171)
Zwei Eigenschaften der Reue: dass sie innerlich sei und übernatürlich, brauchen keine Erklärung.
Die Reue ist Herzenszerknirschung, muss also notwendig innen sein, nicht bloß auf den Lippen. Kein Vater verzeiht seinem Kind, wenn es keine Herzensreue, sondern bloß Mundreue hat. Übernatürlich muss die Reue sein, denn die natürliche Reue sieht in den bösen Taten nicht die Sünde, nicht die Beleidigung Gottes, sondern nur ein Übel, das Schande vor den Menschen und ähnliche natürliche Folgen nach sich zieht. Der Christ muss aber seine Sünden bereuen, weil er Gottes Gesetz übertreten und Ihn beleidigt hat. - Genauer wollen wir die bei den andern Eigenschaften betrachten: über alles groß und allgemein muss die Reue sein. In ihnen ist das Maß der Reue, ihre Tiefe und Breite ausgesprochen; wie groß nämlich das Missfallen über die Sünden sein, und wie weit es sich erstrecken muss.

1. Betrachten wir zuerst die Breite der wahren Reue. 
Sie muss allgemein sein, d. h. wenigstens alle schweren Sünden umfassen. »Wenn der Gottlose Buße tut über alle seine Sünden, sagt die Heilige Schrift, so soll er leben« (Ez 1
8, 21). Man kann hier das Wort des hl. Jakobus anwenden: »Es mag einer sonst das ganze Gesetz beobachten, vergeht er sich auch nur gegen ein Gebot, so hat er sich damit gegen das ganze Gesetz vergangen« (Jak 2, 10); es mag einer alle Sünden bereuen, wenn er auch nur eine einzige schwere Sünde ausnimmt, so ist es, als ob er keine bereute. Und tatsächlich ist ja auch eines solchen Menschen Reue über die andern Sünden nicht echt, sondern »unaufrichtig und erheuchelt«. Denn was müsste z. B. ein Vater, der von seinem Sohne schwer beleidigt wurde, von dessen Reue halten, wenn dieser etwa sagte: Vater ich bereue alles, was ich gegen dich getan, nur diesen einen schweren Verdruss, den ich dir bereitet, den kann ich nicht bereuen.
Muss man alle schweren Sünden einzeln bereuen? Das wird sehr zu raten sein, aber notwendig ist es nicht. In dem Moment, da sich der Sünder aufrichtig zum Herrn bekehrt und seine Sünden wenigstens ganz allgemein verabscheut, umfängt ihn Gott wieder mit väterlicher Liebe nach dem Wort des Propheten: »Die Gottlosigkeit des Gottlosen wird ihm nicht mehr zum Verderben sein am selben Tag, wo er sich bekehrt von seiner Gottlosigkeit« (Ez 33, 12). Wenn man aber die Sünden einzeln überdenkt und bereut (die Sünden gegen die Keuschheit ausgenommen, wenn die Erinnerung daran von neuem Versuchung bereiten könnte), so wird das Herz freier von aller bösen Neigung und der Wille entschlossener im Kampf gegen sie. Darum rät der Heilige Geist durch den Propheten Isaias: »Vor dir will ich all meine Jahre überdenken in bitterer Betrübnis meiner Seele« (Is 38, 15). »Alle seine Jahre überdenken« heißt eben die Sünden einzeln durchnehmen, um sie von Herzen zu bereuen. - Diese Eigenschaft der Breite mangelt der Reue sicher nie, wenn sie


2. die notwendige Tiefe hat, wenn sie »über alles groß" ist. 
Das Größenmaß der Reue ist das gleiche wie das Maß der Liebe zu Gott; der Herr selbst verlangt das. Denn wie Er sagt, du sollst Gott lieben »aus ganzem Herzen« (Gen 6, 5), so spricht Er auch: Bekehrt euch »aus eurem ganzen Herzen« (Joel 2,12). Wenn wir daher wissen, wie groß die Gottesliebe sein muss, kennen wir auch das geforderte Maß der Reue. Wie groß muss nun die Gottesliebe sein? Stelle dich vor deinen Heiland und frage Ihn: Herr, muss ich Dich lieben wie einen Freund? Wie einen Bruder oder eine Schwester und wie meine Eltern? Wie mein Kind? Wie meinen Bräutigam? Oder gar wie mich selber? Und Er antwortet dir: »Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert« (Mt 10, 37). Ja wer sein Leben (durch eine Beleidigung Gottes) retten will, d. h. wer sein Leben und sich selber mehr liebt als mich, seinen Gott, der wird es verlieren, der geht zugrunde (Mt 16, 25). Findest du diese Forderung nicht selbstverständlich? Wäre es z. B. nicht eine Beleidigung für dich, wenn dein Freund dir sagte: »Mein Kanarienvogel und meine Katze sind mir eigentlich lieber als du?« Unermesslich größer wäre die Beleidigung des unendlich liebenswürdigen Gottes, wenn man Ihm sagte: »Mein Kind, meine Frau, mein Leib und seine Gesundheit sind mir doch lieber als Du;« denn alles Geschaffene steht unermesslich tiefer unter dem unendlichen Gott, als das Tier unter dem Menschen. Darum sagt St. Bernard mit Recht: »Das Maß der Gottesliebe ist, ihn lieben ohne Maß.« - Das muss also auch das Maß der Reue sein: Vernunft und Glaube verlangt es. Denn die Sünde ist das größte aller denkbaren Übel: Man verstößt daher gegen Vernunft und Glaube, wenn man ein anderes Übel für größer hält und höher einschätzt als die Sünde. Die Sünde ist Beleidigung Gottes, des unendlichen und allergrößten Wesens; es ist daher ganz verkehrt und eine neue Beleidigung, wenn man die Kränkung eines andern Wesens, auch seiner eigenen werten Persönlichkeit als größeres Übel einschätzt, denn die Sünde. Die Reue muss also über alles groß, sie muss »ein Schmerz sein, wie er sich stärker gar nicht denken lässt«; wenn wir wahre Reue haben, müssen wir unserm Heiland sagen können: O Herr, größer ist mein Missfallen und mein Schmerz über Deine Kränkung als der Schmerz über jede Krankheit, über den Verlust meines ganzen Besitzes und der mir liebsten Personen, über jedes Unrecht und jede Verachtung, über jedes Leid, das mich treffen kann.
Ach, wie wird es uns vor Gottes Gericht gehen! Wie sollen wir Verzeihung finden für unsre Sünden, wir, die wir oft viel größeren Schmerz über irdische Leiden empfinden, als über unsre Sünden! Wie leicht und reichlich fließen unsre Tränen beim Tod eines lieben Menschen, oder bei einem vielleicht geringen Unrecht, das uns widerfährt, und der Gedanke an unsre Sünden, der Blick auf die Sündenflut, die die Welt überschwemmt, lässt uns kalt! Woher diese unglaubliche Unempfindlichkeit? Von der ererbten Unordnung in uns, von der Disharmonie zwischen dem höhern und niedern Menschen. Der höhere Mensch, der vom Glauben erleuchtete Verstand und der freie Wille, sie erkennen vielleicht und verabscheuen das über alles Maß große Übel der Sünde, aber der niedere, der sinnliche Mensch bleibt kalt und vergießt darob keine Träne. Freilich, je mehr der höhere Mensch in uns die Herrschaft erringt, je länger er seine ordnende und veredelnde Regierung über den niedern Menschen ausübt, um so gehorsamer wird der Untertan, um so leichter fügt er sich den Befehlen und Wünschen des Regenten, um so mehr harmonieren die Regungen und Tätigkeiten des niedern mit den Willensakten des höhern Menschen. Das erklärt uns manche Tatsache im Leben der Heiligen, die z. B. beim bloßen Namen »Sünde« Tränen vergossen, und ein fortwährendes inneres Martyrium aushielten beim Gedanken an die unzähligen Sünden, womit Gott täglich beleidigt wird! Für uns ist dieser Blick auf die Heiligen eine starke Demütigung. Wie sind wir doch im Vergleich zu ihnen erst Anfänger im geistlichen Leben! - Indes darf diese Erwägung uns nicht kleinmütig machen, nicht niederdrücken, als ob wir nicht wahre und aufrichtige Reue hätten. Freilich, vollendet, vollkommen in bezug auf den Akt, ist unsre Reue nicht, aber aufrichtig und wirksam kann sie trotzdem sein: Wenn wir nur im höhern Menschen den geforderten geistigen Schmerz besitzen. Dieser, das Missfallen im Willen, kann aber über alles groß sein, obgleich das Missfallen, der Schmerz im Gefühl ganz gering ist. Denken wir z. B. an den Tiroler Helden aus dem Jahre 1809, Peter Mair, der lieber als eine Lüge sagen, Frau und Kind opferte und sich erschießen ließ. Gewiss hat er den Schmerz über die Trennung von Frau und Kind und deren Leid viel stärker gefühlt, als den Schmerz über eine lässliche Sünde. Und doch will er lieber den großen fühlbaren Schmerz ertragen als den geistigen einer lässlichen Sünde. - Um Sicherheit zu erlangen, ob unsre Reue wohl über alles groß ist, brauchen wir bloß auf den Vorsatz zu schauen;


3. Das Kennzeichen wahrer Reue
(N. 31 b-33; S. 171-173)
Der Vorsatz ist eigentlich ein Bestandteil der Bußgesinnung oder der Reue, und darum behandelt ihn das Konzil von Trient und das Religionsbuch nicht als besonderes Stück des Bußsakramentes. Weil er aber für den Empfang des Sakramentes und darum für das praktische Leben von der größten Bedeutung ist und ein sicheres Kennzeichen wahrer Reue, darum ist es ungemein wichtig, die richtige Lehre darüber genau zu kennen.
1. Notwendigkeit des Vorsatzes. Der Heiland verlangt ausdrücklich den Vorsatz: z. B. von der Ehebrecherin »Geh' hin und sündige nicht mehr« (Joh 8, 11) und vom Gichtkranken am Schafteich »Sieh jetzt bist du gesund geworden, nun sündige nicht mehr« (Joh 5, 14). Er hat ihn schon Jahrtausende vorher durch seine Propheten verlangt: Nicht nur Abkehr von der sündigen Vergangenheit fordern diese, sondern Lebensbesserung, Halten der Gebote, Üben von Recht und Gerechtigkeit; ein neues Herz und den entschiedenen Willen, gottgefällig zu leben (Ez 18, 21 f. 27, 30 f ). St. Remigius, der Apostel der Franken, sagte zum bekehrten Frankenkönig Chlodwig: Adora quod incendisti et incende quod adorasti. »Bete an, was du bisher verbrannt hast (das Kreuz) und verbrenne, was du bisher angebetet hast« (die Götzen). Auch Gott spricht zum Sünder nicht nur: Tu ab und hasse, was du bisher geliebt hast, die Sünde, sondern auch: Übe und liebe, was du bisher nicht mochtest und darum flohest: die Tugend. Übrigens verlangt auch jeder vernünftige Mensch, jeder Freund vom Freund, wenn er ihm Verzeihung gewähren soll, dass er den Willen habe, ihn nicht mehr zu beleidigen. Am entschiedenen Willen sich zu bessern erkennt auch jeder Vater, dass dem Kind wirklich ernst ist mit seiner Verzeihungsbitte und der Äußerung seines Reueschmerzes.

2. Eigenschaften des Vorsatzes. Weil der Vorsatz eigentlich Bestandteil der Reue ist, muss er auch die Eigenschaften der Reue haben: innerlich, übernatürlich, über alles und allgemein muss er sein. Man kann alle diese Eigenschaften zusammenfassen in den Satz: »Der Vorsatz ist der ernste aufrichtige Wille, mit Gottes Gnade um keinen Preis eine schwere Sünde zu begehen«; oder »der feste Wille, wenigstens alle schwer verpflichtenden Gebote zu halten.« 
a) Ich sage: der feste Wille, nicht die feste Überzeugung dass man nicht mehr schwer sündigen werde. Im Willen muss die Festigkeit sein, nicht im Verstand. Ja, der feste Wille kann da sein ohne die Überzeugung. Nicht nur bei Gewohnheitssündern trifft das oft zu. Auch eifrige, wahrhaft demütige und erfahrene Menschen haben einerseits den festen Willen, mit Gottes Gnade um keinen Preis schwer zu sündigen, anderseits aber durchaus nicht die Überzeugung, dass sie nie mehr schwer sündigen werden; sie sagen sich im Gegenteil in heiliger Furcht: O dass mein Wille doch nicht wieder schwach werde! Des Menschen Herz und Wille ist ja so wetterwendisch! Daher beten sie innig: Ne permittes me separari a Te! »O Herr, lass mich nie von Dir (durch eine schwere Sünde) getrennt werden!« Herr, ich will nicht mehr sündigen, aber ich kenne meine Schwäche, darum bitte ich Dich um Gnadenkraft, hilf mir besonders in dieser Gelegenheit … Ja solche Christen pflegen ihre Vorsätze ganz in's Bittgebet zu kleiden: O Herr hilf mir, dass ich die Geduld bewahre, lege ein Schloss an meine Lippen, dass ich meine Zunge behüte usw.
b) um keinen Preis eine schwere Sünde zu begehen, selbst nicht um den Preis seines Lebens; oder in jedem Fall wenigstens die schwer verpflichtenden Gebote zu halten. Man braucht dabei nicht an alle möglichen Gefahren und Opfer zu denken; nur kräftige Seelen können das vielleicht. Sondern man prüfe seinen Vorsatz an den wirklichen Vorkommnissen: an der Sonntagspflicht, an der nächsten Gelegenheit zur Sünde: wenn der Geist der Unreinheit wieder heranschleicht, das schlechte Buch lockt; an der Pflicht der Verzeihung, der Zurückerstattung, der Selbstverleugnung usw.
c) irgend eine Todsünde zu begehen; oder alle schweren Pflichten zu erfüllen. Der Herr hat einst durch Samuel dem König Saul den Befehl gegeben, die Amalekiten zu bekriegen und alles zu vernichten, an allem den Bann zu vollziehen, wie der Ausdruck lautet. Saul aber verschonte den König Agag und die besten Stücke des Viehes und überhaupt alles Wertvolle. Dafür zog er sich den Zorn Gottes und seine Verwerfung zu (1 Kön 15). So würde auch der Sünder nicht Verzeihung erlangen, sondern den Zorn Gottes weiter auf sich tragen, wenn er auch nur eine Todsünde vom Vorsatz ausschlösse. Zum Missionär P. Baucke in Paraguay kam einst ein Indianer, der ihn bat, nur einen Rausch solle er ihm noch erlauben, dann wolle er sich bekehren. - Wenigstens alle schweren Pflichten zu erfüllen, muss der Sünder entschlossen sein: Im besonderen macht das Religionsbuch aufmerksam auf die nächste schwere Pflicht nach begangener Todsünde: »Die Reue muss den Willen zur Beichte und Genugtuung in sich einschließen«: die Sünde muss gebeichtet und die dafür auferlegte Buße muss getan werden! Und wenn der Sünder andern gewaltsamer oder betrügerischer Weise etwas weggenommen, muss er entschlossen sein, das zurückzuerstatten; und alle Beleidigungen und alles Unrecht, das er von andern erfahren, von Herzen zu vergeben.

3. Propositum manifestatur per operationem (S. Thomas), die tatsächliche Besserung ist das sichere Kennzeichen des guten Vorsatzes. Man schließt auf die Kraft des Mannes, wenn man ihn große Lasten heben und tragen sieht. Die Kraft Samsons zeigte sich darin, dass er alle Fesseln sprengte, so schließt man auch aus den Wirkungen auf die Festigkeit des Vorsatzes. Wenn die Fesseln der Sünde wirklich gesprengt werden, wenn das Sündenhaus wirklich zusammenstürzt, so ist das das sicherste Zeichen, dass Vorsatz und Reue gut waren. Die tatsächliche Besserung ist das beste Zeichen eines guten, Vorsatzes. Wenn man durch das Bußsakrament keusch wird, nüchtern, liebevoll, eifrig im Gebet usw., kurz wenn man Sünden und Fehler ablegt, so war die Beichte und daher auch Reue und Vorsatz sicher gut. - Aber wenn man wieder zurückfällt in seine Sünden? Muss man dann immer den Schluss ziehen, dass Reue und Vorsatz nicht recht waren ? Ja, wenn man ohne Widerstand zurückfällt, auf gleiche Weise, ebenso oft, ohne Mittel anzuwenden, dann muss man freilich sagen, dass kein Vorsatz da war. Wie man von einem Kranken, der gar nichts tut, um gesund zu werden, mit Recht sagt, der will nicht gesund werden. Aber wenn der Gewohnheitssünder sich Mühe gibt, die Mittel der Besserung anwendet, trotzdem aber wieder zurückfällt, dann kann der Vorsatz bei seiner Beichte doch fest und gut gewesen sein.
Beachten wir sehr den Zusatz bei der Begriffsbestimmung des Vorsatzes: mit der Gnade Gottes. Der Grund, warum der Vorsatz und die Beichte häufig so unwirksam sind, liegt darin, weil man viel zu wenig auf die Kraft der Gnade baut: Man macht die Erfahrung, dass man immer wieder fällt und wird mutlos, anstatt zu wachsen im Misstrauen auf sich und im heiligen Vertrauen auf Gott. Lernen wir von der heiligen Frau Judith: »Höre mich armselige Beterin, die viel unternehmen will, aber nur im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, erhebe deinen Arm und zerschmettere die Macht der Feinde.« In dieser Weise betet sie lange, bevor sie ihren großen Plan wagt. Und unmittelbar bevor sie den Holofernes tötet, erhebt sie noch einmal ihr Herz in einem Stoßgebet zu Gott: »Confirma me Domine Deus Israel«, »Stärke mich, Herr, du Gott Israels, in dieser Stunde« (Jdt 13, 7). Das ist das rechte Vorgehen: voll Misstrauen auf sich selbst das Vertrauen ganz auf Gott setzen. Gegen solche Sünder ist bei Gott ein unerschöpflicher Schatz von Erbarmung; solche Menschen leisten Großes an sich und andern im Reiche Gottes.

4. Die vollkommene Reue
(N. 34; S. 173 f)
Die wahre Reue ist vor Gott immer angenehm. Sie ist Edelmetall, das im Himmel immer Wert hat. Das durch wahre Reue zerschlagene Herz ist wie ein geprägtes himmlisches Gold- oder Silberstück. Vor allem gilt das von der Reue aus Gold, der vollkommenen Reue.
1. Bedeutung. 
Von ihr könne man nicht genug predigen, sagte ein heiligmäßiger Kardinal unter Leo XIII. (Franzelin S. J). Denn sie ist ein wahrer Himmelschlüssel für Millionen Menschen! Denken wir an die erste Hilfeleistung bei plötzlichen Unfällen, etwa beim Ertrinken, Verbrennen, bei einem Blutsturz. Mit Recht erteilt man jetzt schon in den Schulen Unterricht, wie man bei solchen Unglücksfällen die erste Hilfe leisten soll, bis ein Arzt kommt; so kann man Hunderte vom Tode retten. Solche Unglücksfälle kommen im geistlichen Leben viel öfter vor: schwere Sünden, die den Seelentod herbeiführen. Und diese Unglücksfälle sind viel furchtbarer, weil sie den ewigen Tod in der Hölle zur Folge haben können. Selten aber ist der Seelenarzt, der Priester, sofort zur Stelle. Wie wichtig ist darum die erste Hilfeleistung für die Seele! Das tut aber die vollkommene Reue. Sie wirkt sicherer als jede körperliche erste Hilfe, denn sie beseitigt die Todesgefahr vollständig. Sie ist aber noch mehr. Auch für den gesunden, im Gnadenstand lebenden Christen ist sie eine große Hilfe, um sein Leben gottgefälliger zu gestalten. Wer oft aus Liebe seine Sünden bereut, der macht sicher Fortschritte im Guten. Darum ist die genaue Kenntnis der vollkommenen Reue und eine gewisse Fertigkeit, sie zu erwecken, von ganz großer Bedeutung.

2. Was ist die vollkommene Reue ?
a) Jede wahre Reue muss übernatürlich und innerlich sein, über alles groß und allgemein. Worin liegt nun der Unterschied zwischen vollkommener und unvollkommener Reue? Vielleicht in der Innerlichkeit: dass die vollkommene intensiver sein, tiefer die Seele durchdringen muss? O nein. Es kann die Reue aus Furcht vor dem beleidigten Gott das Herz bis ins Innerste erschüttern. Vielleicht in der Eigenschaft »über alles groß«? Nein; jede Reue muss diese Eigenschaft besitzen. Oder in der Allgemeinheit? Dass man etwa bei der vollkommenen auch alle lässlichen Sünden bereuen muss, was bei der unvollkommenen Reue nicht notwendig ist? Nein, auch darin ist der Unterschied nicht. Der liegt:
b) in der Übernatürlichkeit, in den Motiven, in den Beweggründen: Dass man Gott durch die Sünde beleidigt, das muss freilich Beweggrund für jede wahre Reue sein, nicht nur die Rücksicht auf sich, der Schaden, den man sich selber durch Sünden zufügt. Edelmetall muss die Reue immer sein, nicht nur Kupfer oder Nickel. Aber das Edelmetall kann Silber oder Gold sein. Die Rücksicht auf Gott kann mehr oder weniger edel sein: Furcht vor Gott oder Liebe zu Gott. Im ersten Fall ist die Reue unvollkommen, im zweiten ist sie vollkommen. Und weil jeder Affekt, jedes Herzensgefühl auf die Liebe zurückgeht, weil alles, was den Menschen treibt, schließlich immer in der Liebe seine Wurzel hat, kann man auch sagen: Der Grund, das treibende Motiv jeder Reue muss immer eine heilige, übernatürliche Liebe sein: entweder die Gottesliebe oder die heilige übernatürliche Selbstliebe. Treibt dich die Liebe zu Gott, dann ist deine Reue vollkommen, treibt dich die Liebe zu dir selbst, dann ist deine Reue unvollkommen. Denke an ein Kind, das seine Fehler bereut: Wird es durch die Furcht vor den Eltern geleitet, so ist seine Reue über eine Beleidigung der Eltern auf der Selbstliebe aufgebaut; wird es aber durch die Liebe zu den Eltern geführt, so stammt seine Reue eben auch aus dieser kindlichen Liebe. Oder denke an den verlornen Sohn: Zuerst weckte das Gefühl seines Unglücks Reue über seine Flucht aus dem väterlichen Haus: unvollkommene Reue. Später aber, als er beim Gastmahl saß und der Liebe seines Vaters gedachte, da überkam ihn gewiss Rührung und vollkommene Reue. Man sieht, vollkommene und unvollkommene Reue können sehr gut beisammen sein: Es ist sogar zu empfehlen, sie zu verbinden und nicht Formeln zu gebrauchen, in denen nur die vollkommene Reue ausgesprochen ist. Leuchtende Beispiele vollkommener Reue sind Magdalena, Petrus, der König David. - Nun versteht man auch,
c) warum diese Reue vollkommene heißt. Eben wegen des vollkommenen Motivs, wegen der edelsten Gesinnung im Menschenherzen, der Gottesliebe. Aber auch noch aus einem andern Grund, nämlich wegen ihrer herrlichen Wirkung.

3. Was wirkt die vollkommene Reue? 
Beim Gedanken an ihre Wirkung sollten wir arme Menschen aus vollem Herzen das Te Deum anstimmen oder das Magnificat oder mit dem Vater des heiligen Vorläufers Johannes singen: Benedictus, gepriesen sei unser Herr und unser Gott, weil er durch die Liebesreue Hunderttausende, ein ganzes Volk erlöst, begnadet und ewig beseligt! Bei einem großen Theaterbrand in Wien im Jahre 1881 gingen Hunderte zugrunde: Ein Schulmädchen betete einer Schar fast Verzweifelnder die »vollkommene Reue« vor: Alle, die innerlich ernstlich mitgebetet, sind gerettet worden. - Der eigentliche Grund der großen Wirksamkeit der vollkommenen Reue ist die ihr zugrunde liegende Gottesliebe. Diese, die Gottesliebe, ist der Zauberstab, der den Tod vertreibt und Leben spendet. »Wir wissen, dass wir vom Tod zum Leben gebracht sind, weil wir die Brüder lieben. Wer aber nicht liebt der bleibt im Tode« (Joh 3, 14). Wenn jemand Gott ernstlich liebt, in dessen Herz kommt der Heiland mit seinem Vater und dem Heiligen Geist und sie nehmen Wohnung in ihm (Joh 14, 23). Darum also bewirkt die vollkommene Reue Verzeihung aller Sünden, Weil sie die Liebe enthält. Darum spricht der Heiland von der großen reuigen Sünderin Magdalena: »Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie eine so große Liebe hat« (Lk 7, 47). Und zwar geschieht die Nachlassung der Sünden sofort: »Im selben Augenblick«, sagt das Religionsbuch, »wo wir in unserm Herzen eine solche Reue aufkeimen lassen, wird uns von Gott auch schon Nachlassung der Sünden zuteil.« Ganz allgemein »der Sünden«.

Welche Sünden werden also nachgelassen? 
Erstens alle schweren Sünden. Stellen wir uns den ärgsten Sünder vor… Denken wir an den Räuber zur Rechten des Gekreuzigten; an David, der Mord und Ehebruch begangen hatte. Durch einen einzigen Akt der Liebe und Reue Werden sie geheiligt, wie der Herr Vom Schächer sagt und David dankend bekennt: »Ich sprach, bekennen will ich wider mich meine Missetat dem Herrn, und du vergabst mir meine Sündenschuld« (Ps 31, 5). Um so mehr werden zweitens alle lässlichen Sünden verziehen, die man bereut. - Aber warum muss man die schweren Sünden doch noch beichten? Weil es ein Herrengebot ist, dass alle von Christen begangenen schweren Sünden der Schlüsselgewalt seiner Kirche unterworfen, den gottbestellten Seelenärzten aufgedeckt werden. Weil daher die vollkommene Reue nur dann die Verzeihung der Sünden bewirkt, wenn sie den Willen (votum) enthält, das Bußsakrament zu empfangen. Die zehn Aussätzigen, von denen Lukas (17, 14) erzählt, waren schon rein geworden, mussten sich aber doch noch den Priestern zeigen. Dieses Herrengebot ist eigentlich Gnade, wie für den durch die erste Hilfeleistung Geretteten die Vorschrift, einen Arzt herbeizurufen, keine Last sondern Glück ist. Aber wenn man nicht beichten kann? Die Sünden bleiben nachgelassen. Wenn man später nicht beichten will? Die bereuten Sünden bleiben auch dann nachgelassen, aber man begeht eine neue schwere Sünde, weil man ein schwer verpflichtendes Gebot des Herrn nicht erfüllen will.
O wie müssen wir arme Menschen für dieses große Rettungsmittel danken, für diesen Himmelschlüssel für Juden und Heiden, und für viele tausend Christen!

Uns Christen ist diese Reue viel leichter, weil uns die Liebe zu Gott leichter ist: Wir kennen ja jenen, der das Feuer der Gottesliebe in die Welt gebracht, der selbst der Feuerbrand dieser Liebe ist: den Heiland mit all seiner Liebenswürdigkeit und Güte, das göttliche Herz Jesu. Und der Heiland ist uns ganz nahe im heiligsten Sakrament.
Der im Tabernakel Verborgene ist wirklich der Magnet der Herzen. 
Wenn wir in der Liebesgesinnung zu Christus Reue erwecken, dann ist sie vollkommen. Üben wir das oft. Nicht nur wenn wir gesündigt haben. Wir prägen uns durch jeden Akt der Liebesreue ein neues Goldstück, das mehr Wert hat als die seltenen 100 $-Goldstücke.

5. Wie kommt man zur wahren Reue?
(N. 35. 30; S. 174 f. 170)
Über diese Frage hat das Religionsbuch schon früher ausführlicher gesprochen (oben S. 7 ff.); es gibt hier noch einige kostbare Winke. Kostbar ist ja alles, was die Reue, besonders die vollkommene, fördert.
Erster Wink: »Ein starker Hass gegen die Sünde soll in den Christen lebendig werden.« Was sollen wir zu dem Zweck tun? Wir müssen die Sünde gut kennen lernen, sie betrachten, ihre Abscheulichkeit und Hässlichkeit, den großen Schaden, den sie anrichtet, besonders »dass sie uns die Liebe und Zuneigung Gottes raubt, von dem wir doch so große Güter empfangen haben und noch größere uns versprechen dürfen«. O wenn wir jährlich oder wenigstens jedes dritte Jahr in den heiligen Exerzitien die furchtbaren Verwüstungen betrachteten, die die Sünde in der Geschichte angerichtet hat; und wir dann täglich auch nur fünf Minuten vor den gekreuzigten Heiland erwägten, welch ein Übel die Verletzung des heiligen Gotteswillens, d. h. die Sünde, ist, wir müssten allmählich mit Gottes Gnade diesen heiligen Sündenhass erwerben! - Oder folgen wir dem Rate des hl. Karl Borromeo und tun wir drei Blicke, um die Schrecklichkeit der Sünde zu ermessen: hinunter in den Abgrund der Hölle, auf das Kreuz und hinauf in den Himmel zum unendlich liebenswürdigen und gütigen Gott, den die Sünde schwer beleidigt. Aber mit solchen Erwägungen müssen wir inniges Gebet verbinden um wahre Reue: indem wir (nach dem Rat des hl. Ignatius im Exerzitienbüchlein) zuerst zu unserer Herrin, der lieben Mutter Gottes, gehen und zu ihr flehen, sie möge uns einen großen Hass gegen jede Sünde von ihrem Sohn erbitten; dann zum Mittler beim Vater, dem Heiland, Er möge uns die Gnade tiefer Reue verschaffen; endlich zum Vater selber, Er möge uns aus Liebe zu seinem Sohn und zur heiligen Mutter seines Sohnes die Gnade geben, die Sünde recht zu erkennen und aus ganzer Seele zu verabscheuen. Eine arme Witwe, deren Tochter mit einem reichen Mann Hochzeit halten musste, weil sich die Folgen des unerlaubten Verkehrs zeigten, war bei der Festtafel auffallend gedrückt und traurig. Gefragt, warum sie sich nicht freue, da ihre Tochter doch eine so gute Partie gemacht, antwortete sie: »Mir wäre lieber, mein Kind läge auf der Totenbahre mit dem Kranz der Jungfräulichkeit auf dem Haupt.«

Zweiter Wink. »Erforsche oft dein Gewissen», besonders wenn du dich eines größeren Vergehens schuldig gemacht hast, und abends vor dem Schlafengehen. 

Der Zweck des Einblickes ins eigene Innere ist eben Reue und Vergebungsbitte. Darum dürfen wir nicht zufrieden sein mit der Erkenntnis der Sünde, auch nicht mit dem quälendem Bewusstsein gesündigt zu haben, sondern wir sollen sofort ein herzliches »Mein Jesus, Barmherzigkeit« sprechen, und uns demütig vor Gott anklagen: Gott die Sünde beichten. »Wir sollen reumütig um Verzeihung bitten, um Gelegenheit zur Beichte und um Gottes Schutz und Hilfe, damit wir in Zukunft nicht mehr dieselbe Sünde begehen.«
Dritter Wink. »Nimm gelegentlich die Sünden einzeln durch und bereue sie.« Das ist die »erste Weise zu beten«, wie sie Ignatius im Exerzitienbüchlein empfiehlt. Man nimmt die einzelnen Gebote Gottes und der Kirche, die sieben Hauptsünden, seine Standespflichten durch und erwägt, wie man dagegen gefehlt hat, erweckt Reue und bekennt sie vor Gott und bittet herzlich um Verzeihung.
Manche fürchten sich vor solchen Erwägungen: Sie würden dadurch kleinmütig, meinen sie. Nein, nein, wenn man nur auch die Güte und Barmherzigkeit Gottes vor Augen hat, wird man durch die Reuegesinnung nicht kleinmütig, sondern demütig, und darum in den Leiden dieses Lebens geduldig. Mit welcher Leichtigkeit wird der verlorne Sohn nach seiner Heimkehr die täglichen Beschwerden der Arbeit ertragen haben beim Gedanken an sein früheres Leben und sein früheres Unglück! So würde es auch uns gehen.

Die Beichte ist ein Geschenk und Gebot des Herrn
(N. 39-41. 43; S. 178-181)
»Was immer heutigentags in der Kirche an Heiligkeit, Frömmigkeit und religiösem Sinn, Gott sei Dank, noch erhalten geblieben ist, das muss nach der Überzeugung wohl aller Guten zum großen Teil der Beichte zugeschrieben werden«, so sagt das Religionsbuch von der Zeit, in der es entstanden. Mehr oder weniger gilt das von jedem Zeitalter. Auch heute ist die Beichte eine große Segensquelle, wenn sie gut verrichtet wird. Kein Wunder, sie rührt ja vom Urheber alles Segens her, vom Herrn und Heiland, der sie eingesetzt und allen, die nach der Taufe schwer gesündigt, zur Pflicht gemacht hat.
1. Das Geschenk der Beichte.
»Die unendliche Güte und Barmherzigkeit Christi unseres Herrn war es, die Ihn, der alles nur zu unserm Besten und einzig unsres Heiles willen tat, dieses Sakrament einsetzen ließ.« Es ist katholische Glaubenslehre, dass Christus selbst die Beichte angeordnet hat. »Von jeher hat die Kirche daran geglaubt«, sagt das Konzil von Trient (CT XIV cp 5). Danken wir Gott für diesen Glaubenssatz und halten wir daran unentwegt fest! Er ist auch im Evangelium deutlich ausgesprochen. Angedeutet schon bei der Auferweckung des Lazarus (Joh 11, 44). Auf das Wort des Herrn »trat der Tote aus dem Grab heraus, Hände und Füße mit Binden umwickelt und das Antlitz mit einem Schweißtuch bedeckt«. Da gab der Herr seinen Aposteln den Auftrag: »Macht ihn frei und lasst ihn gehen.« Warum? Sein Wort hätte auch die Linnenbinden sofort lösen können, wie es die Bande des Todes löste. Warum überlässt Er das seinen Aposteln? Der Römische Katechismus meint, der Herr habe eben damit den Aposteln die Macht der Sündenvergebung andeuten wollen, die Er ihnen später geben werde, also das Amt der Beichtväter, den geistig Toten die Fesseln der Sünde zu lösen. Eingesetzt hat der Herr das Sakrament, wie das Evangelium berichtet, am Tage seiner Auferstehung mit den Worten: »Empfanget den Heiligen Geist. Denen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen; denen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten« (Joh 20,22 f). Knien wir im Geiste hin vor unsern lieben Heiland, küssen wir den Saum seines Gewandes und sagen wir Ihm von Herzen Dank für diese herrliche Frucht seines Leidens! Durch sie stehen Millionen Menschenseelen zum übernatürlichen und ewigen Leben auf ! Aber danken wir Ihm zugleich auch
2. für die süße Pficht der Beichte.
Ja, die Beichte ist auch Pflicht für alle, die nach der Taufe schwer gesündigt haben; eine vom Herrn selber auferlegte Pflicht. »Es gebe sich niemand der Meinung hin, sagt das Religionsbuch, der Herr habe zwar die Beichte eingesetzt, jedoch eine Verpflichtung zu ihrem Empfang keineswegs ausgesprochen. Es muss vielmehr jedem Christen eine ausgemachte Tatsache sein, wer immer eine (nach der Taufe begangene) Todsünde auf dem Herzen hat, der muss nach dem Willen des Herrn zur sakramentalen Beichte bereit sein, sonst kann er unmöglich zum übernatürlichen Leben erweckt werden.« Ja, nicht die Kirche hat diese Pflicht auferlegt, sondern der Herr, der liebevolle. Woher wissen wir das? Von unsrer heiligen Kirche, die auf dem Trienter Konzil lehrt: »Die Kirche hat immer geglaubt, dass das sakramentale Bekenntnis für alle, die nach der Taufe schwer gefallen sind, durch göttliches Gesetz notwendig sei« (CT XIV cp 5). Beachten wir das: nicht ein kirchliches, sondern ein göttliches Gesetz, das im Evangelium ausgesprochene Gebot des Herrn, verpflichtet den Sünder zur Beichte. Beweise von diesem Glauben der Kirche begegnen uns häufig bei aufmerksamer Lesung der heiligen Väter. Aber wo spricht das Evangelium von der Beichtpflicht ? Dort wo der Herr von der Schlüsselgewalt redet, wo Er die Vollmacht zur Spendung dieses Sakramentes Himmelschlüssel nennt (Mt 16, 19; 18, 18). Der Beichtvater ist Träger des Himmelschlüssels, er muss dem Menschen den durch die Todsünde versperrten Himmel aufschließen. Wie man aber in ein Haus nicht kommen kann, ohne Hilfe dessen, dem der Hausschlüssel anvertraut ist, so kann (das will der Herr mit diesem Gleichnis sagen) kein sündiger Christ in den Himmel kommen, wenn ihm nicht vom Spender des Bußsakramentes geöffnet wird. Der Sünder muss daher zu den Schlüsselträgern, den Priestern gehen: er muss beichten. »Niemand rede sich ein«, sagt der hl. Augustin, »ich brauche keine Beichte, ich tue im Verborgenen vor dem Herrn Buße; ... da wären ja der Kirche Gottes die Schlüssel umsonst verliehen.« - Aber, so meinen manche, es ist doch eine größere Ehre für Gott, wenn wir uns ohne Vermittlung des Priesters unmittelbar an Ihn wenden: Er allein kann ja eigentlich Sünden vergeben. Solchen Menschen entgegnet der hl. Ambrosius: »Ich möchte doch wissen, wer Gott größere Ehre gibt: der sich seinen Anordnungen fügt oder der ihnen widersteht? Gott hat aber angeordnet, dass wir uns seinen Dienern demütig unterwerfen. Tun wir das, dann geben wir Gott die Ehre.« - Aber wirkt nicht die vollkommene Reue und Liebe Verzeihung der Sünden? Öffnet sie also nicht den Himmel ohne Mithilfe der Schlüsselträger ? Nein. Nicht durch sich allein wirkt die Liebesreue Nachlass der Sünden, sondern nur wenn die geistige Verbindung mit der Beichte da ist (votum sacramenti), der Wille nämlich, die Sünden später zu beichten. Darum fügt das Konzil von Trient der Begriffsbestimmung der Reue hinzu: Der Schmerz und Abscheu über die Sünde muss »verbunden sein mit dem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und dem Willen alles zu tun, was zum gültigen Empfang des Bußsakramentes notwendig ist« (CT XIV cp 4). Die unvollkommene Reue wirkt bei wirklichem Empfang des Sakramentes den Sündennachlass, die vollkommene aber schon bei geistigem Empfang. Daher darf man die Sündenvergebung nicht der Liebesreue allein zuschreiben, sondern der Reue zugleich mit dem Willen zu beichten, so lehrt das heilige Konzil von Trient (CT XIV cp 4).
O wie müssen wir dem Herrn danken für dieses Gebot! Bei unsrer Kurzsichtigkeit und Feigheit würden wir sonst das Bußsakrament leicht vernachlässigen! Es ginge uns wie vielen Kranken, die auch die notwendige Speise zurückweisen, weil sie ihnen nicht mundet, bis sie durch den Befehl des Arztes und das liebevolle Drängen der Pflegerin dazu genötigt werden. Darum herzinnigen Dank dem Heiland für sein Gebot! Um so mehr, weil es eigentlich eine süße Pflicht ist. Die Sünde ist wie Gift: süß zu nehmen, aber dann erfasst und quält sie den ganzen Organismus der Seele, wirkt Unruhe, Traurigkeit, Lebensüberdruss, Verzweiflung schon im irdischen Leben, und ewige Qual im Jenseits. Die sakramentale Beichte ist bitter zu nehmen, bitter am Anfang; das Bekenntnis seiner Gemeinheiten ist eine Buße. Aber die Früchte, die Wirkungen sind überaus süß: wie viel Ruhe, Freude und Trost fließt aus diesem Sakrament in die Menschenherzen!


Der Pflichtgegenstand der Beichte
(N. 36a.39, 46-49; S. 175. 179. 182-186)
Lehrer und Schüler kennen sehr gut die Unterscheidung zwischen obligaten oder Pflichtfächern und Freifächern, Pflichtgegenstand und Freigegenstand im Schulbetrieb. Diese Unterscheidung können wir auch auf die Beichte anwenden und vom Pflichtgegenstand der Beichte reden, d. h. von dem, was nach dem Willen des Herrn gebeichtet werden muss; und vom Freigegenstand, d. h. von dem, was nach Belieben des Beichtenden gebeichtet oder nicht gebeichtet werden kann. Aus praktischen Gründen soll dann noch ein Wort über den Fremdgegenstand der Beichte gesagt werden, über das, was in der Beichte nicht behandelt werden darf.
1. Was muss also nach dem Gebot des Herrn gebeichtet werden? 
Genügt es zu sagen: Ich habe gesündigt, oder muss man sich genauer anklagen? Sehen wir näher zu, was Wille des Herrn ist. Der wird klar aus der Form, die Er diesem Sakrament gegeben hat: die Form eines Gerichtes; darum heißt es auch Bußgericht. Der Herr hat die Priester zu Richtern bestellt über die Vergehen der Getauften gegen die göttliche Majestät. Das lehrt die Kirche ganz klar: »Wenn der Herr den Priestern die Vollmacht gab, die Sünden nachzulassen und zu behalten«, heißt es im Religionsbuch, »so sind sie damit offenbar zu Richtern hierüber aufgestellt« (Vgl. CT XIV cp 5). Wie soll aber der Richter ein zutreffendes Urteil sprechen und ein gerechtes Strafmaß finden, wenn er die Vergehen nicht kennt? Von wem muss er aber die Vergehen kennen lernen? Offenbar vom Kläger und von Zeugen. Wer ist im Bußgericht Kläger und Zeuge? Niemand anderer als der beichtende Christ allein. Dieser muss also seine Vergehen dem priesterlichen Richter klar auseinander legen, aufrichtig und genau bekennen; wenigstens die größern. Kleinere Vergehen können überall auch außergerichtlich beigelegt werden; aber schwere werden in jedem geordneten Gemeinwesen vor den Richter gebracht. - Ein anderes Gleichnis, das das Konzil von Trient andeutet, gibt fast noch mehr Klarheit: Der Beichtpriester ist auch Arzt, Seelenarzt. Nun weiß doch jeder, dass der Arzt den Krankheitszustand genau untersuchen muss, um heilen zu können; dass ihm daher der Kranke alle Wunden aufdecken, alle Krankheitserscheinungen mitteilen muss; dass kein rechter Arzt mit der allgemeinen Versicherung: »Ich bin krank« zufrieden sein kann. So müssen auch dem Seelenarzt wenigstens die schweren Krankheiten, wenigstens die todesgefährlichen Seelenwunden aufgedeckt werden: sonst kann er den kranken Sünder unmöglich heilen.

2. Pflichtgegenstand der Beichte. 
Nun verstehen wir leicht die Lehre der Kirche über das, was nach dem Gebot des Herrn gebeichtet werden muss: »Alle nach der Taufe begangenen schweren Sünden, deren man sich nach fleißiger Gewissenserforschung erinnert, müssen mit Angabe der Zahl und Gattung und der Umstände, die die Gattung verändern, gebeichtet werden, auch die geheimsten Sünden gegen die zwei letzten Gebote, die mitunter gefährlicher sind und die Seele schwerer verwunden.« Das ist Herrengebot nach der Lehre der Kirche, und kann daher von ihr gar nicht geändert oder gemildert werden. Darum ist es eine schwere Beleidigung des Heilandes und eine gottlose Rede (so fügt das Konzil hinzu), wenn man sagt, die katholische Beichte sei eine unerträgliche Last und eine Gewissensfolter (CT XIV cp 5 cn 7). Also gebeichtet müssen werden:
a) nur die nach der Taufe begangenen Sünden. Über Ungetaufte und ihre Sünden hat die Kirche keine Schlüsselgewalt; solchen kann sie daher die Sündenfesseln nicht lösen.
b) alle schweren Sünden. Die lässlichen Sünden können nach der Lehre unseres Glaubens auf vielfache Weise getilgt werden. Für sie kann der Sünder außer der Beichte Verzeihung suchen und darf sie in der Beichte verschweigen. -
c) deren man sich nach fleißiger Gewissenserforschung erinnert. O beachten wir diese Worte! Durch sie wird die Beichte sehr erleichtert. Wenn vorgeschrieben wäre, alle schweren Sünden, die man begangen hat, einzeln zu beichten, da müssten viele schwerkranke Todsünder, Christen, die jahre- und jahrzehntelang in schwerer Sünde gelebt, die Hoffnung auf Verzeihung aufgeben: Solche müssten wochenlang das Gewissen erforschen und könnten sich überhaupt unmöglich an alles erinnern. Nun Gott sei Dank, der Herr verlangt nur, dass man mit genügendem Fleiß, d. h. mit einem Fleiß, »den man bei Angelegenheiten von großer Wichtigkeit anzuwenden pflegt«, sein Gewissen erforsche und dann die so gefundenen schweren Sünden beichte. »Die vergessenen Sünden gelten dann, wie das Konzil von Trient sagt, als eingeschlossen und der Sünder kann von ihnen vertrauensvoll mit dem Propheten sagen: o Herr, mach mich rein von den Sünden, die mir nicht bewusst sind« (Ps 18, 13). Sie werden durch die Lossprechung getilgt wie jene, deren man sich ausdrücklich angeklagt hat, und man wird durch das Sakrament in den Gnadenstand versetzt und kann ohne weiters zur heiligen Kommunion gehen, auch jeden Tag. Bei der nächsten Beichte (die aber deshalb nicht früher abgelegt werden muss) müssten die vergessenen Sünden freilich gebeichtet werden.
d) mit Angabe der Zahl und Art, d. h. man muss die Sünden nennen und soweit möglich sagen, wie oft diese schweren Sünden vorgekommen sind. Wer, Gott sei es geklagt, sehr viele schwere Sünden begangen hat, dem ist es nicht selten ganz unmöglich, die richtige Zahl auch nur beiläufig zu nennen. Es genügt dann zu sagen: Ich kann beim besten Willen keine Zahl angeben.
e) jene Umstände, die die Art der Sünde ändern oder aus einer lässlichen eine schwere machen. Das »Religionsbuch« spricht dieses Gesetz in einer für das einfache Volk praktischeren Form aus: »die Umstände der einzelnen Sünden, die deren Sündhaftigkeit bedeutend vergrößern oder verkleinern«, und bringt dafür sehr gute Beispiele. Wer sich z. B. mit einer Frau eingelassen hat, muss unbedingt angeben, ob die Betreffende ledig oder eines andern Gattin, ob sie eine Verwandte oder etwa eine durch Gelübde Gott geweihte Person war. Denn das ergibt eine Verschiedenheit in der Art der Sünde:
So würde es sich hier im ersten Fall um einfache Unzucht, im andern um Ehebruch, im dritten um Blutschande und im vierten um ein Sakrileg (Gottesraub) handeln.« Stiehlt jemand eine Kleinigkeit, so ist das etwas ganz anderes, als wenn er eine große Summe nimmt: Dieser Umstand macht aus einer lässlichen eine schwere Sünde, muss daher angegeben werden.
f) auch die innern Sünden, wenn sie schwer sind, müssen gebeichtet werden, wie die äußern. Von ihnen sagt das Konzil, sie seien oft gefährlicher als die äußern. Warum? Weil sie eigentlich die giftigen Wurzeln sind, aus welchen die äußern sündhaften Taten hervorwachsen; man denke an die unkeuschen Gedanken und Wünsche!
3. Nur ein Mal müssen die Sünden der Schlüsselgewalt der Kirche unterworfen werden, nicht öfter. Ist es einmal geschehen, so sind auch die schwersten Sünden nicht mehr Pflichtgegenstand der Beichte, sondern Freigegenstand. Was folgt daraus für Wiederholungsbeichten ? Wenn die General- oder Wiederholungsbeichte nicht notwendig ist, d. h. wenn man meint, dass die früheren Beichten gültig waren, dann ist sie nur eine Andachtsbeichte, bei der man in der Anklage frei ist. Wenn aber die General- oder Wiederholungsbeichte notwendig ist, d. h. wenn die früheren Beichten sicher ungültig waren, was ist dann zu beachten? Sicher muss man alle noch nie gebeichteten schweren Sünden bekennen. Aber die Todsünden, die man schon gebeichtet hat, wenn auch ungültig? Beichtet man beim gleichen Priester und erinnert er sich noch an das frühere Bekenntnis, so kann der Pönitent einfach darauf hinweisen, etwa sprechend: »Der Ew. Hochw. aus den früheren Beichten schon bekannten schweren Sünden klage ich mich reumütig an.« 
Beichtet man aber bei einem andern Priester, so müssen sie nach Zahl und Art und Umständen angegeben werden. Warum? Weil sie der Schlüsselgewalt der Kirche, d. h. der Lossprechung durch den Priester noch nie unterworfen worden sind. 
Noch eine andere Folgerung ergibt sich daraus. Wenn der Beichtvater über Sünden aus dem früheren Leben fragt, so braucht man nicht zu antworten, wenn sie schon ordentlich gebeichtet worden sind: denn dann sind sie nicht mehr Pflichtgegenstand. Man kann also ruhig sagen: »Hochwürden, über mein früheres Leben habe ich nichts mehr zu sagen« oder ähnlich. Übrigens will der Beichtvater mit solchen Fragen vielleicht dem Beichtkind nur Gelegenheit geben, sich zu seinem Trost auszusprechen, etwa zum Zweck der Seelenleitung: Das Beichtkind kann daher (und nur so kann der Beichtvater seine Fragen verstehen) über seine Vergangenheit reden oder schweigen.
Aus allem sehen wir: das Bußgericht ist sehr verschieden vom weltlichen Gericht. Nicht um Bestrafung des Verbrechers handelt es sich, sondern um Begnadigung; nicht um Fesselung und Einkerkerung, sondern um Lösung der Fesseln und Befreiung; der arme Sünder soll Ruhe und innern Frieden finden vor den Gewissensbissen; er soll in diesem Seelensanatorium von seinen Krankheiten genesen und ausgeheilt werden; das Bußgericht ist also kein Strafgericht, sondern ein Gnadengericht, ein Gericht »der höchsten Güte und Barmherzigkeit Gottes«. 

Wie sollten wir doch dankbar sein! 
Bedenken wir außerdem: Wie viele Menschen, die vielleicht jahrelang in sündhafter Liebe zu Geschöpfen lebten, können sich nur sehr schwer zur vollkommenen Gottesliebe und daher zur vollkommenen Reue erschwingen und würden daher zugrunde gehen, wenn es keine Beichte gäbe und wenn, wie im Alten Bund, die vollkommene Reue das einzige Mittel des Sündennachlasses wäre. Wie viel leichter ist es für solche Menschen, aus Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit, aus Furcht vor der Hölle, ihr Herz von der Todsünde loszureißen und ihre Sünden, die ihnen ja oft wie ein Alp auf der Seele lasten, dem Priester zu bekennen! So werden viele Tausende gerettet und ewig selig, die sonst in die Hölle gekommen wären. O wie werden diese und wir mit ihnen dem Heiland für seine große Güte danken durch die ganze Ewigkeit!

Quelle: Zum Religionsbuch der Kirche, Erklärungen, Erstes Bändchen, Über das Hl. Sakrament der Buße, herausgegeben von Dr. Michael Gatterer SJ, Druck und Verlag Felizian Rauch Innsbruck-Leipzig 1932; Imprimatur Nr. 4509. Die Stellen unter Anführungszeichen ohne Angabe der Quelle sind wörtlich dem »Religionsbuch« (Catechismus Romanus - II. Teil: Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament. - Mit Überschriften) entnommen. Abkürzungen: CT = Concilium Tridentinum; cp = caput; cn = canon des ConziIs. CIC = Codex Iuris canonici. Zwei Anpassungen an das aktuelle päpstliche Lehramt) und http://www.kathpedia.com/index.php?title=Zum_Religionsbuch_der_Kirche_Über_das_heilige_Sakrament_der_Buße
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